Wenn Spielzeug online geht

Louise Horvath, ÖIAT

Louise Horvath, 31, ist seit 2016 Projektmanagerin beim Österreichischen Institut für Angewandte Telekommunikation (ÖIAT) in Wien und leitet aktuell das Projekt "Internet of Toys“, das von der Förderaktion netidee der Internet Foundation Austria (IFA) finanziert wird und bis November 2017 anberaumt ist. Dabei geht es um das sehr aktuelle Phänomen von internetfähigem Spielzeug und wie es rechtlich, ethisch und pädagogisch einzuordnen ist.

Die Nachfrage nach elektronischem Spielzeug steigt unaufhaltsam, ebenso das Angebot. Die Forschung bei IoToys zielt darauf ab, EntwicklerInnen, VerkäuferInnen und KäuferInnen das notwendige Rüstzeug mitzugeben, um der Entwicklung vom Internet der Dinge im Spielwarenhandel kompetent zu begegnen. Vor allem Klein- und Mittelunternehmen prägen die Spielwarenindustrie der Europäischen Union. Laut der Europäischen Kommission haben 84% aller Firmen in diesem Sektor nur bis zu neun Angestellte. Für diese KMU ist es daher besonders wichtig, durch Kompetenz und Qualität zu punkten, gerade auch in Bezug auf das Phänomen des „Internet of Toys“. Denn die Risiken von „Internet of Toys“-Applikationen, wie der jüngste Fall der Puppe „Cayla“, haben von Konsumenten- und Datenschützern in Europa und den USA besondere Aufmerksamkeit erfahren. Es gibt aber auch Innovationen im Feld smarter oder vernetzter Spielzeuge, von denen beispielsweise Kinder mit besonderen Bedürfnissen profitieren könnten oder/und spielerisch Kindern Programmierkenntnisse vermitteln oder auch einfach Spaß machen ohne datenschutzrechtlich relevant zu sein. Es gilt in dieser Studie auch diese Aspekte zu beleuchten, um das gesamte Spektrum von „Internet of Toys“ zu beleuchten. Das Projekt läuft noch bis November 2017. Mehr dazu unter www.internetoftoys.at

Vom Schreiben zum Forschen

Forschung und Wissenschaft war nicht von Anfang an das Karriereziel von Louise Horvath. Ihre berufliche Laufbahn begann sie nämlich als Journalistin und das bereits neben der Schule. Aber alles der Reihe nach: Geboren wurde sie in Frankreich und zog im Volksschulalter mit ihrer Familie nach Österreich. Als Schülerin wurde sie in das Team des SchülerStandard aufgenommen, was ihr die Chance gab, mit Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Kultur in Kontakt zu kommen, die sie sonst nicht kennengelernt hätte. Nach der Matura studierte sie Sozioökonomie an der Wirtschaftsuniversität Wien und schrieb weiter für den Schüler- und UniStandard, die sie später auch leitete.

Erst ihre Diplomarbeit am Institut für Sozialpolitik, die sie zusammen mit einer Kollegin schrieb, motivierte sie, in die Wissenschaft zu wechseln. Sie hörte beim Standard auf und sammelte Forschungserfahrung als Projektassistentin im Gesundheitsbereich sowie am außeruniversitären Forschungsinstitut ICCR in Wien. Dort ging es vor allem um europäische Projekte in einem breiten Themenfeld - von der Zukunft der Geisteswissenschaften, Privatsphäre und Technologie bis hin zu Energieeffizienz. Die für Louise Spannendsten waren jene mit Schwerpunkt auf neuen Technologien. Mit zwei Kolleginnen stellte sie daraufhin einen Antrag für ein DOC-team Stipendium der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, das sie auch erhielt und unter anderem für ein Jahr an die Universität Twente in den Niederlanden führte, wo sie mit einem führenden Technikphilosophen, Peter-Paul Verbeek, zusammenarbeitete. Ihren PhD an der TU Wien schließt sie voraussichtlich heuer ab.

"Forschung war für mich ein klarer Schritt hin zu einer intensiven Recherche, aber was mir aus dem Journalismus stets geblieben ist, ist ein Kommittment zur Vermittlung von Ergebnissen. Ich möchte, dass anderen verständlich ist, worum es geht und mir ist der Austausch mit anderen Disziplinen und Berufsgruppen zum Thema sehr wichtig", so Louise Horvath.

In Zukunft möchte sich Horvath verstärkt mit der Akquirierung und Durchführung von Forschungsprojekten an der Schnittstelle Technologie/Gesellschaft beim ÖIAT beschäftigen.
Zusätzlich  arbeitet sie redaktionell an den News-Artikeln und Materialien des Instituts, was ihr angesichts ihrer langjährigen Erfahrung im Journalismus auch viel Spaß macht.   

Ihre freie Zeit verbringt die Mutter zweier Kinder am liebsten mit ihrer Familie und ihren FreundInnen. Ein interessantes Hobby hat sie auch, und zwar das Spielen eines Frauen-Vollkontaktsports auf vierrädrigen Rollschuhen im Verein „Vienna Roller Derby“. VRD versteht sich als queer-feministischer Sport, es finden regelmäßig Matches (genannt „Bouts“) in Wien statt, zu denen internationale Teams anreisen. Um mitspielen zu können, braucht es viel Ausdauer und Kraft. Fähigkeiten, die auch in der Forschungslandschaft von Vorteil sind.

Fotos

  • Louise Horvath
    Louise Horvath, 31, ist Projektmanagerin beim ÖIAT und leitet aktuell das Projekt "Internet of Toys". Foto: ÖIAT