ACR war auf Studienreise im Baskenland

Die alljährliche Studienreise der ACR führte die Teilnehmer heuer nach Spanien. Vom 12. bis 16 Juni reiste die 32 Personen umfassende ACR-Delegation nach Bilbao und San Sebastián im Baskenland. Ziel war es, die Forschungsstrategie der Region kennen zu lernen, Ideen auszutauschen, Kontakte zu knüpfen und sich von einzelnen Projekten inspirieren zu lassen.

Ein Projekt, von dem man sich durchaus inspirieren lassen kann ist etwa City Mobil 2, ein selbstfahrender Minibus, der am Gelände des Technologieparks Gipuzkoa bei San Sebastián seine Runden dreht. Entwickelt werden die autonomen Minibusse unter anderem im Industrielabor des renommierten baskischen Forschungszentrums Tecnalia. Das von der EU geförderte Projekt entwickelt Prototypen für ein automatisiertes Straßentransportsystem. Die Testfahrt mit dem Minibus war neben der Besichtigung des Guggenheim Museums eines der Highlights der Reise, die den Delegierten ein straffes Informations- und Besuchsprogramm quer durch die baskische Forschungslandschaft bot.

Angefangen bei offiziellen Stellen wie SPRI (Agentur der baskischen Regierung zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftsentwicklung) und Bilbao Ekintza (Insitut der Stadt Bilbao für die Umsetzung aller Förder- und Entwicklungsstrategien) stattete die ACR-Delegation auch ihrem baskischen Pendant, der IK4 Research Alliance (Dachverband von neun privaten baskischen Forschungsinstituten) sowie dem Forschungszentrum Tecnalia einen Besuch ab. Die Besichtigung des Automotive Intelligence Centers (ein Forschungs- und Weiterbildungscenter nach dem Konzept der "Open Innovation") und des Technologieparks Gipuzkoa rundeten die Reise ab.

Besonders beeindruckt hat die Teilnehmer der Studienreise, wie viel der Fokus auf wirtschaftsnahe Forschung in kurzer Zeit bewegen kann. Das Baskenland gilt heute als die innovativste Region in Spanien. Das war jedoch nicht immer so. Nach dem Niedergang der Schwerindustrie, ETA-Terror und verheerenden Überschwemmungen in den 70er und 80er Jahren schlitterte das Baskenland in eine handfeste Krise. Mit vereinten Kräften schafften die Basken jedoch den Turnaround, seitdem setzt die autonome Region stark auf Forschung und Entwicklung in Verbindung mit der Reindustrialisierung des Landes. Es gibt eine Strategie der Spezialisierung auf die Bereiche  neue Fertigungstechnologien (Industrie 4.0), Energie und Biowissenschaften sowie eine klar strukturierte Clusterpolitik. Als Motto gilt: "Try to be big in what you do!"

Heute steht die Region sehr gut da, der Industrieanteil am Bruttoregionalprodukt beträgt 25 Prozent, die Arbeitslosenrate liegt mit 12 Prozent deutlich unter dem spanischen Schnitt von 22 Prozent, das Ausbildungsniveau ist sehr hoch, die Produktivitätsrate liegt 30 Prozent über dem EU-Schnitt und die Forschungsquote hebt sich mit 2 Prozent auch deutlich vom Rest Spaniens ab.

Was sich die Österreicher noch abschauen könnten? Neben der höheren Förderung der Forschungseinrichtungen (17 Prozent Basisfinanzierung erhalten sowohl IK4 als auch Tecnalia) ist es vielleicht die Einstellung. Da werden Innovationen gemacht, um einen Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt zu leisten. Alle sind stolz darauf, wie viel sie der Gesellschaft zurückgeben.

Die ACR-Studienreise ins Baskenland wurde vom österreichischen Außenwirtschaftscenter in Madrid, allen voran durch Wirtschaftsdelegierten Michael Spalek und seine Mitarbeiterin Monika Wall, tatkräftig unterstützt. Seit 2010 organisiert die ACR jedes Jahr eine Studienreise in ein europäisches Land, um sich ein Bild von dessen Forschungslandschaft und Innovationssystem zu machen, Ideen zu holen und Synergiepotentiale mit internationalen Partnern zu erschließen. Teilnehmer sind die Leiter der ACR-Institute, Vertreter von Ministerien und Interessenvertretungen sowie Fachjournalisten. Die bisherigen Destinationen: Belgien (2010), Türkei (2011), Schweden (2012), Frankreich (2013), Luxemburg (2014), Dänemark (2015). Als nächstes auf der Agenda: Israel.

Impressionen von unserer Studienreise finde Sie in der Fotogalerie.

Presseartikel

APA Science am 15.6.2016 "Baskenland: Innovation als Krisenfeuerwehr mit Zug zum Markt"

Die Presse am 17.6.2016 "Forschung kurbelt die Wirtschaft an"

Die Presse am 17.6.2016 "Im Baskenland fahren auch die Busse autonom"

Der Standard am 22.6.2016 "Hightech rund um den Guggenheim-Tempel"

Fotos