ACR in Alpbach: Kooperation kann jeden weiterbringen

Die Technologiegespräche in Alpbach sind ein Pflichttermin für die ACR, denn nirgendwo sonst sind so viele Entscheidungsträger und Stakeholder an einem Ort versammelt. In zahlreichen Gesprächen und Diskussionen wirbt die ACR dabei stets für eine Verbesserung der Förderung von Forschung und Entwicklung in KMU sowie eigene Initiativen wie etwa den Innovationsagenten oder die Strategischen Projekte.

Eine Gelegenheit bot sich beim Workshop der Forschung Austria, wo es um Innovationsprozesse im digitalen Wettlauf ging.  Herwig Schneider, Geschäftsführer von ACR-Mitglied IWI hielt dabei einen Vortrag über „Digitale Produktion“. Er sieht Konnektivität als das eigentliche Hauptthema und plädiert dafür, die Angst vor dem Schlagwort „Industrie 4.0“ abzulegen und den Wandel weniger als eine Gefahr zu begreifen. Der Schlüssel dafür sind aus seiner Sicht Unternehmensnetzwerke, aus welchen schlussendlich technologische Kompetenz und entsprechende Wertschöpfungsketten resultieren.

Digitalisierung ist eines von acht Zukunftsthemen, mit welchen sich die ACR schwerpunktübergreifend in den kommenden Jahren beschäftigt. Über die Position der ACR im Österreichischen Innovationssystem sprach ACR-Geschäftsführer Johann Jäger anlässlich der Technologiegespräche mit Harald Hornacek von Austria Innovativ:

Herr Jäger, Sie sind seit mehr als 20 Jahren in der ACR – was hat sich in dieser langen Zeit getan, vor allem was die Position der ACR im Innovationssystem in Österreich betrifft?
Ich bin seit 1995 in der ACR, und seit damals hat sich tatsächlich sehr viel getan. Wir haben viel verändert und über die Jahre eine geistige Haltung aufgebaut, die besagt, dass man durch Kooperation einfach mehr erreicht. Unsere Mitglieder sind auch Konkurrenten bzw. stehen im Wettbewerb zueinander, aber sie haben verinnerlicht, dass sie gemeinsam mehr schaffen und damit auch als „Beutegemeinschaft“, wenn man das so nennen will, auf dem Markt erfolgreicher agieren.

Wie ist Ihnen das gelungen?
Der Schlüssel dazu war sicherlich die gemeinsame Förderung. Wenngleich ich sagen muss, das wir als ACR im Vergleich zu anderen lediglich ein paar Brotkrumen erhalten. Aber es ist eine wichtige Basis für unser Mindset, das muss man auch betonen. Zu verdanken ist dies maßgeblich dem früheren Präsidenten Theo Gumpelmayer, der als einer der wenigen akademisch ausgebildeten Gewerbetreibenden zu seiner Zeit ein echter Wegbereiter war. Als Optometrist hat er früh verstanden, dass die kleineren und mittleren Gewerbebetriebe, aber auch das produzierende KMU-Segment, allein gar keine ausreichenden Forschungstätigkeiten ausüben können. Es fehlen ihnen dazu personelle, finanzielle und infrastrukturelle Mittel. Daran hat sich bis heute nur wenig geändert. Gleichzeitig ist genau das die Legitimation für die ACR. Wir verbinden über unsere Mitglieder Branchen, Expertinnen und Experten und Unternehmen miteinander und schaffen so ein einzigartiges Innovationssystem vorzugsweise für KMU.

lst die ACR Stück für Stück „erwachsen“ geworden?
Ja, das kann man schon so sagen. Als ich 1995 hier anfing, war die ACR ein Halbtagsjob für mich. Ich bin erst seit 2011 Vollzeit als Geschäftsführer tätig. Die Entwicklung der ACR bestätigt den eingeschlagenen Weg: Unsere Mitglieder erzielen heute über 60 Mio. Euro Umsatz, vom BMWFW erhalten wir rund 2,9 Mio. Euro – mit dieser Entwicklung kann man zufrieden sein, wenngleich sie nicht das Ende der Fahnenstange sein darf. Letzten Endes bewirkt die Förderung auch einen gesunden Wettbewerb in allen außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Und unsere ordentlichen Mitglieder müssen auch mehr als 70 Prozent leistungsbezogenen Umsatz aufweisen.


An welchen Zukunftsthemen arbeiten Sie in der ACR konkret?
Um die Zusammenarbeit der ACR-Institute weiter zu forcieren und in zukunftsorientierte Bahnen zu lenken, haben wir in einem Strategieprozess acht gemeinsame Zukunftsfelder, die sogenannten Focus Areas, definiert. Diese sind zum Beispiel Ressourcen- und Energieeffizienz, funktionelle Materialien, Entwicklungspotenziale für KMU oder Digitalisierung. Mit dem Förderprogramm „Strategische Projekte“ sollen diese Themen nun befüllt werden. Im ersten Call 2016 haben die ACR-Institute insgesamt 14 Projekte einer Jury zur Bewertung vorgelegt, sechs wurden ausgewählt und sind mittlerweile gestartet. Jedes davon ist mit einer oder mehreren Focus Areas verknüpft. Das sind Bereiche, die vor allem für KMU sehr attraktiv sind und große Zukunftschancen versprechen bzw. bieten. Entscheidend ist die große Vielfalt, die in der ACR heute vorhanden ist. Da sind wir in Europa in einer sehr guten Position, wenngleich es beispielsweise in Belgien ebenfalls ähnliche, erfolgreiche Vereinigungen wie die ACR gibt. Aber wir können mit Fug und Recht behaupten, dass die ACR maßgeblich dazu beigetragen hat, dass wir heute in Österreich nicht mehr nur von „kooperativer Forschung“, sondern auch von „kollektiver Forschung“ sprechen. Unsere Institute haben in dieser Hinsicht als kollektive Forschungseinrichtungen Maßstäbe gesetzt. Und diese Art der Forschung hat große Zukunft, davon bin ich überzeugt.

Wer profitiert am meisten von der ACR?
Unsere Reichweite ist beachtlich. So waren beispielsweise im Jahr 2016 54 geförderte FEI-Projekte mit österreichischen Unis und/oder FHs aktiv. Aber es sind sicherlich die KMU, die von unserer Tätigkeit am meisten profitieren können. Unsere Institute sind ausgelagert Entwicklungsabteilungen, die eine Qualität und Forschungskompetenz bereitstellen, die ein KMU allein kaum liefern kann. Und da der Großteil der österreichischen Betriebe KMU sind, haben wir umso größere Bedeutung im Forschungs- und Innovationssystem. Bei unseren strategischen Projekten steht auch der interne Wettbewerb im Mittelpunkt. Da geht es nicht nur darum, Fördergeld zu erlangen, sondern auch darum, die richtigen Projekte durchzuführen. Letztes Mal hatten wir, wie gesagt, 14 Anträge gestellt und 6 davon wurden positiv bewertet. Das zeigt, dass die Projekte wirklich streng auf ihre Nachhaltigkeit geprüft werden. Zugleich ist eine Erfolgsquote von 50 Prozent natürlich beeindruckend. Man darf ja nicht vergessen, dass ein KMU beispielsweise auf Ebene von EU-Projekten kaum mehr als 5 Prozent Erfolgsquote erreichen kann – auch das zeigt den Multiplikatoreffekt der ACR. Und gerade auf EU-Ebene können KMU kaum reüssieren, das Fördersystem ist zu komplex und zu zeitaufwändig. Wir tragen dazu bei, dass die kleineren Betriebe erkennen können, welche Leistungen und Produkte die großen Unternehmen von ihnen erwarten und einfordern. So entsteht dann die Partnerschaft zwischen KMU und Großunternehmen, die für unser Land so wichtig ist. Diese Idee tragen wir auch ins Ausland und tragen so zu einer Exportbelebung bei.

Sie sind ein intimer Kenner des Innovationssystems. Wo haben wir in Österreich Nachholbedarf?
Es fehlen uns in vielen Bereichen die Fachkräfte! Denken wir an die Gießereien oder die Materialwissenschaften, also Themen, die unsere Institute stark berühren. Da haben wir Aufholbedarf. Und ich denke, dass es gerade jungen Menschen mitunter an Mobilitätsbereitschaft mangelt. Da müssen wir schon früh, in der Schule, ansetzen und Überzeugungsarbeit leisten! Auch wenn wir noch lange nicht am Ziel sind, so ist der Frauenanteil in der ACR im Vergleich zu anderen außeruniversitären Forschungsinstitutionen überdurchschnittlich, was uns sehr freut. Wir weisen für die ACR einen Frauenanteil von 29 Prozent aus, der Durchschnitt liegt bei 27 Prozent.

Stichwort Alpbach: Dort lautet das Motto diesmal ja „Konflikt und Kooperation“. Damit werden Sie auch in der ACR Ihre Erfahrungen haben?
Ich finde, das Thema sollte lauten: „Kooperation und Konflikt“, also umgekehrt. Denn wenn ich mit jemandem im Konflikt stehe, kooperiere ich sowieso nicht mit ihm. Aber erst in der Kooperation merkt man, wie jemand tickt, wie er handelt, ob er Handschlagqualität hat, ob er „liefert“ – daher hätte ich das Motto genau andersherum beschrieben. Fraglos hängen Kooperation und Konflikt aber eng miteinander zusammen. Die ACR beweist jeden Tag aufs Neue, dass Kooperationen jeden Beteiligten weiterbringen können – wenn man es richtig und offen macht!

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