Renommierter Wissenschaftspreis geht an Jungforscher vom ZFE Graz

Seit mittlerweile zehn Jahren vergibt die Österreichische Gesellschaft für Elektronenmikroskopie (ASEM) den Fritz-Grasenick-Preis an junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die auf dem Gebiet der Elektronenmikroskopie forschen. Der Preis wird vom "Verein zur Förderung der Elektronenmikroskopie und Feinstrukturforschung" zur Verfügung gestellt. Dieses Jahr ging die Auszeichnung an Dr. Georg Haberfehlner vom Zentrum für Elektronenmikroskopie Graz.

Der gebürtige Niederösterreicher Georg Haberfehlner studierte Elektrotechnik an der TU Wien. Nach dem Abschluss des Studiums ging er für vier Jahre nach Grenoble, wo er sich am CEA-Leti, einem der größten Institute für anwendungsorientierte Forschung in Mikroelektronik und Nanotechnologien in Frankreich, erstmals mit Elektronenmikroskopie befasste. Parallel dazu schrieb er an der Université de Grenoble seine Dissertation über die Entwicklung und Anwendung der Elektronentomographie an Halbleiterbauelementen. Seit Ende 2013 ist er wieder in Österreich, setzt am Zentrum für Elektronenmikroskopie Graz seine Forschung fort und entwickelt dabei Methoden zur dreidimensionalen Darstellung von Materialien mit atomarer Auflösung.

3D-Rekonstruktion von Gold- und Silberatomen

„Wir wollen neuartige Materialien erforschen und sie für Applikationen der Zukunft zugänglich machen. Deshalb ist es wichtig, dass wir ihren atomaren Aufbau und die chemische Zusammensetzung verstehen. Damit können wir Rückschlüsse auf ihre Materialeigenschaften ziehen“, so Georg Haberfehlner. Die Methode, die dafür angewendet wird, ist die zuvor erwähnte Elektronentomographie, mit ihrer Hilfe kann das Innere von untersuchten Proben atomar aufgelöst rekonstruiert werden.  Möglich werden diese Experimente mit einem der leistungsfähigsten Elektronenmikroskope in Mitteleuropa, dem ASTEM  (Austrian Scanning Electron Microscope) am ZFE Graz.
In diesem Bereich hat Georg Haberfehlner bereits an 15 wissenschaftlichen Publikationen (mit)geschrieben. Ausgezeichnet wurde seine Arbeit zur Bildung von Nanoclustern  aus Gold- und Silberatomen. Diese wurde in dem renommierten Journal Nature Communications unter dem Titel „Formation of bimetallic clusters in superfluid helium nanodroplets analysed by atomic resolution electron tomography“ veröffentlicht. „Für diese Veröffentlichung habe ich Stunden hinter dem Mikroskop und noch mehr Stunden hinter meinem Rechner verbracht“, schmunzelt der Physiker. Der Einsatz hat sich gelohnt. Haberfehlner konnte sowohl die  Atompositionen als auch die Atomspezies der erhaltenen Kern-Schalenstrukturen sichtbar machen. Dies ist ein wichtiger Schritt, wenn es darum geht, Materialien und deren mechanische, elektronische oder optische Eigenschaften bis ins kleinste Detail zu verstehen.

Abseits der Forschung ist Georg Haberfehlner gerne beim Schitourengehen, Mountainbiken oder Klettern in den Bergen unterwegs. „Da gibt es auch noch viel zu entdecken und, genau wie in der Mikroskopie, größere – oder kleinere – Herausforderungen zu meistern.“

Links

Formation of bimetallic clusters in superfluid helium nanodroplets analyzed by atomic resolution electron tomography - Haberfehlner, G., Thaler, P., Knez, D., Volk, A., Hofer, F., Ernst, W. & Kothleitner, G. Nature Communication 28:8779, http://dx.doi.org/10.1038/ncomms9779 

https://www.youtube.com/watch?v=d3R7VujmEfM

Über das FELMI-ZFE

Das FELMI-ZFE besteht seit 65 Jahren und ist ein Forschungsverbund, der sich aus dem Institut für Elektronenmikroskopie (FELMI an der TU Graz) und dem Zentrum für Elektronenmikroskopie Graz (Mitglied der ACR-Austrian Cooperative Research) zusammensetzt. Die Forschungs- und Dienstleistungseinrichtung bietet allen Interessierten aus dem universitären und industriellen Bereich ein umfassendes Spektrum modernster elektronenmikroskopischer Untersuchungsmethoden zur mikrostrukturellen und mikrochemischen Charakterisierung von anorganischen und organischen Materialien, elektronischen Bauelementen, pharmazeutischen wie auch biologischen Systemen. www.felmi-zfe.at

Mehr Informationen zum Projekt finden Sie im ACR-Newsletter 04/2016 "Elektronentomographie: Atome in 3D"

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