Hans Starl schießt scharf

Hans Starl, IBS

Hans Starl ist Leiter der "Naturkatastrophenprävention" am Institut für geprüfte Sicherheit (IGS) in Linz. Die Waffe seiner Wahl: die Hagelkanone. Mit der feuert der Steirer auf Hausdächer und Autobleche und sieht sich an, wie lange sie einem Hagelsturm standhalten. Mit diesen Informationen startet die Produktweiterentwicklung.

Alles begann vor drei Jahren an der TU Graz. Der angehende Bauingenieur besuchte eine Vorlesung zum Thema "Brandschutzrechtliche Planung". Der Vortragende kam von der BVS, Mutter der IGS. Es funkte, und aus der Vorlesung ergab sich eine Diplomarbeit. Das Thema: Naturkatastrophenprävention.

Naturkatastrophenprävention ist eines der großen Zukunftsthemen. Das Datenmaterial war anno 2010 aber nicht gut erschlossen. Gerade die Elementarereignisse, die für Österreich wichtig sind, waren nur rudimentär aufgearbeitet: Sturm, Hagel und Gefahren durch sogenanntes Oberflächenwasser. Es war der Hagel, der es Hans Starl angetan hatte. Er schloss 2011 sein Studium ab und brachte es inzwischen zum Leiter des Fachbereichs "Naturkatastrophenprävention" am Institut für geprüfte Sicherheit  (IGS) in Linz.

Schäden durch Hagelstürme können enorm sein. Hagelkörner erreichen Tennisballgröße und prasseln mit über hundert Stundenkilometern auf Häuser, Autos & Co. Aufgrund des Klimawandels gehen Forscherinnen und Forscher davon aus, dass Hagelstürme in der näheren Zukunft nicht unbedingt häufiger aber mit hoher Wahrscheinlichkeit heftiger in ihrer Intensität sein werden. Darauf kann man akut reagieren, indem man widerstandsfähiger konstruiert.

Wie kann man das gezielt machen? Zuerst muss man die Schwachstellen in den Bauteilen identifizieren. Dafür entwickelte das IGS, unter der Leitung des 29-Jährigen, eine eigene Hagelsimulationsmaschine. Das Ding sieht aus wie eine futuristische Kanone und ist so einzigartig im deutschsprachigen Raum. Geprüft wird alles: Hausdächer und Fenster, Autobleche und Windschutzscheiben, sogar Schwimmbadabdeckungen und Signalkugeln. Signalkugeln sind die großen meist orangen Kugeln auf z.B. Hochspannungsleitungen.

In einer eigenen Halle werden die Bauteile unter Beschuss genommen und auf ihre Hagelresistenz geprüft. Dabei wird mit Eiskugeln gefeuert, die bis zu sieben Zentimeter groß sein können, und das mit einer Geschwindigkeit von ca. 140 Stundenkilometern. Diese Parameter entsprechen den natürlichen Dimensionen und Fallgeschwindigkeiten von Hagelkörnern. Nach dem Versuch werden die Bauteile klassifiziert, d.h. einer bestimmten Hagelwiderstandsklasse zugeordnet.

Derart klassifiziert, können die Hersteller ihr Produkt in das schweizerisch-österreichische Hagelschutzregister eintragen lassen. Um herzauszufinden, welcher Hagelklasse ein Haus die nächsten Jahrzehnte standhalten wird müssen, sieht man die Hagelgefährdungskarte ein. Diese Karte gibt die Gefährdung in vier Stufen an. Im Hagelregister findet der Baumeister/die Baumeisterin dann das passende Produkt.

Hat Hans Starl einmal die Schwachstellen gefunden, beginnt für ihn die Forschungsarbeit. Denn dann geht es darum, das Produkt resistenter gegen Hagel zu machen, und das ohne die Produktionskosten zu erhöhen. Am Ende kommt seine Arbeit dem Häuslbauer zugute.

Für den jungen Bauingenieur ist die Hagelsimulationsmaschine das bisherige Highlight in seiner Forscherkarriere. Erstens hat er sie mit seinem Team selbst entwickelt. Zweitens findet er es spannend, damit immer wieder neue und ganz unterschiedliche Produkte auf ihre Schwachstelle zu untersuchen und innovative Lösungen für deren Behebung zu finden.

Beschaulicher geht es zu, wenn Hans Starl zuhause im Steirischen Salzkammergut Kühe hütet und in den Bergen unterwegs ist. Die Rocky Mountains kennt der Steirer auch: Er studierte ein Jahr an der University of New Mexico (UNM) in Albuquerque. In den Rocky Mountains trainierte der geprüfte Schitrainer das Schiteam seiner Universität – und zwar sehr erfolgreich: bei den "Nationals 2008" wurde die UNM Dritter.

Dezember 2013

Diplomarbeit:
Naturkatastrophen – Definition und hochbautechnische Maßnahmen, um Schadenspotenziale an Bauwerken ausgelöst durch Hagel-, Sturm- und Schneestarkereignisse zu vermeiden (2011)

Links:

Hagelschutzregister
www.hagelschutzregister.at

Hagelgefährdungskarte
www.hora.gv.at

Institut für geprüfte Sicherheit  (IGS)
www.igs-austria.at

BVS-Holding GmbH
www.bvs-ooe.at  
 

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    Für den Bauingenieur ist die Hagelsimulationsmaschine das bisherige Highlight in seiner Forscherkarriere.