Mikroben zähmen – Umwelt schützen

Andrea Steitz, HFA

Die Biologin Andrea Steitz ist Projektleiterin an der Holzforschung Austria und beschäftigt sich mit Umweltauswirkungen von Materialien. Sie ist für die Akquisition, Planung und Durchführung von wissenschaftlichen Experimenten und Untersuchungen in den Geschäftsfeldern Papier und Zellstoff sowie Ökotoxikologie und Molekularbiologie verantwortlich. In ihrem aktuellen Projekt erforscht sie Alternativen für Biozide in Holzschutzmitteln.

Andrea Steitz ist in Wien geboren und aufgewachsen. Als Kind verbrachte sie jedoch viel Zeit am Land beim Fischen und Imkern, „das war wohl die Initialzündung für mein Interesse an der Biologie und am Forschen“, so Steitz. Nach dem Studium fing sie deshalb als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Wien an und war unter anderem an der Forschungsstation ,,Station de Recherches Sous-Marines et Oceanographiques (Stareso)“ auf Korsika tätig, wo sie an der Rolle von Algen und Picocyanobakterien im Ökosystem von Seegraswiesen forschte. Über die Ökotoxikologie kam Steitz im Jahr 2001 an die Holzforschung Austria und baute dort im Rahmen eines Projektes zur Erfassung der Hausfäulepilze ein molekularbiologisches Labor auf.

Biozide vermeiden
Heute ist sie am ACR-Institut verantwortlich für die Themenbereiche Papier und Zellstoff sowie Ökotoxikologie und Molekularbiologie. In ihrem letzten Projekt „BAOPAP“ forschte Steitz an biozidfreien Beschichtungen für Papiermaschinen. Im Siebwasserkreislauf von Papiermaschinen können sich aufgrund von mikrobiellem Wachstum gemeinsam mit anderen Feststoffen Ablagerungen bilden, diese nennt man Biofilme. Diese Ablagerungen lösen sich immer wieder spontan und verursachen Löcher in der Papierbahn, die zu Abrissen und damit zu Produktionsunterbrechungen führen. „Die bisherige Bekämpfung mittels Biozid ist finanziell aufwändig und nicht im Sinne einer modernen ökologischen Firmenführung. Daher haben wir nach alternativen Beschichtungen gesucht, um die Biofilmbildung zu unterdrücken“, so Steitz.

Auch im von der FFG geförderten Projekt „Terpenguard“ geht es um die Vermeidung von Bioziden, diesmal in Holzschutzmitteln. „Wir sammeln terpenoid- und harzhältige biogene Rohstoffe wie z.B. Rückstände aus der Gewürzmittelindustrie, der Holzernte und Holztrocknung und untersuchen die gewonnen Extrakte auf ihre Eignung als Alternativen für Biozide in Holzschutzmitteln“, erklärt Steitz. „Ein erstes Ziel wäre es, wenn wir durch den Einsatz neuer Naturstoffe die Verwendung von herkömmlichen Wirkstoffen aus synthetischer Herstellung um die Hälfte reduzieren könnten“.

Staub verstehen
Im nächsten Projekt wird sich die Biologin mit Staubanalytik in der Innenraumluft befassen. Staub stammt aus verschiedensten Quellen und ist daher aus Partikeln diverser organischer und anorganischer Substanzen unterschiedlicher Form, Struktur und Größe zusammengesetzt, die zu Reizungen der Atemwege und zu Allergien führen können. In der Innenraumluft hat er somit eine große Relevanz für die Gesundheit des Menschen, besonders wenn man bedenkt, dass Europäer/innen fast 90 Prozent der Zeit in Innenräumen verbringen. Aufgrund der komplexen Zusammensetzung von Staub wurde dieses Forschungsfeld bisher von Instituten mit methodischen Teilspezialisierungen behandelt. „Umso mehr freue ich mich, dass wir innerhalb des ACR Netzwerks mit dem strategischen Projekt „Staubanalyse in der Innenraumluft“ nun eine gemeinsame Kompetenz zu Staub im Innenraum (HFA, IBO, KOV, ZFE) schaffen werden“, ist Steitz erfreut. Das ACR-Projekt startet noch im März und ist für 1,5 Jahre anberaumt.

Privat verbringt Andrea Steitz viel Zeit mit ihrem11-jährigen Sohn. Den nötigen Ausgleich zum Job findet sie beim Sport, Wandern und bei Theaterbesuchen.

www.holzforschung.at

Fotos

  • Die Biologin Andrea Steitz ist Projektleiterin an der HFA und für die Themenbereiche Papier und Zellstoff sowie Ökotoxikologie und Molekularbiologie verantwortlich. Foto: HFA