Am Anfang der Geschichte steht ein kleines Unternehmen aus dem niederösterreichischen Droß in der Nähe von Krems, das ein Verfahren zur Extraktion von Stoffen aus porösen Materialien entwickelt hat. Ein Mikroextraktionsverfahren, mit dem alle möglichen chemischen Verbindungen, darunter auch organisches Material wie Algen und Schimmel aus saugenden Materialien wie etwa Mauerwerk und Verputzen extrahiert werden können. „Wir können mit unserer Methode eigentlich alles extrahieren. Wir wussten daher anfangs nicht einmal, welcher Markt für unser Verfahren der richtige ist“, erinnert sich Gerhard Brandner, der Geschäftsführer.
Innovationspreis
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Seit 2006 vergibt die ACR zusammen mit dem Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort den ACR Innovationspreis (früher Kooperationspreis). Dieser holt die besten in Zusammenarbeit mit ACR-Instituten entstandenen Innovationen vor den Vorhang, um zu zeigen, dass nicht nur große Unternehmen Motoren für Innovation sind, sondern auch KMU. Die eingereichten Projekte stellen sich einer Fachjury sowie einem Online-Voting, die bestbewerteten drei Projekte erhalten den begehrten Innovationspreis.
- Dauerhafte Schimmelentfernung
- Frostschutz für Straßen
Dauerhafte Schimmelentfernung
Die BMB Gebäudehygiene GmbH entwickelte eine Methode, Schimmel ein für alle Mal zu beseitigen ohne dafür Mauern oder Verputze abtragen oder in Desinfektionsmitteln tränken zu müssen. Zusammen mit dem OFI gelang es, den wissenschaftlichen Nachweis zu erbringen.
Institut
OFI – Österreichisches Institut für Chemie und Technik
KMU-Partner
BMB Gebäudehygiene GmbH
Ohne das Projekt mit dem OFI hätten wir zwar eine gute Idee, aber kein Produkt, das wir ausloben können.
Das war vor vier Jahren. Die BMB Gebäudehygiene GmbH entschied sich damals, auf die Beseitigung von Schimmel und Algen zu setzen. Heute hält das Unternehmen für sein Verfahren ein österreichisches, ein europäisches und bald auch ein US-Patent. Denkmal-, Gebäude- und Fassadenreiniger, Restaurateure und Malerbetriebe in Österreich, in ganz Europa und in den USA sind Lizenznehmer für das Produkt. Haushalte können kleine Gebinde über einen globalen Online-Vertriebspartner erwerben. Die Methode hat eine ganze Branche revolutioniert, denn auf einmal ist die Entfernung von Schimmel einfach und vor allem dauerhaft möglich – ohne dass dabei Bauwerke, Fassaden oder Verputze geschädigt werden. Möglich wurde dies durch die Zusammenarbeit mit dem OFI: Das Wiener Forschungsunternehmen optimierte das Verfahren und erbrachte den notwendigen Nachweis, dass die Methode funktioniert.
Die Beseitigung von Schimmel mit konventionellen Methoden ist in der Regel aufwändig: „Zuerst muss die Ursache der Schimmelbildung – etwa Luftfeuchtigkeit, Wasserschaden, Wärmebrücken usw. – beseitigt werden, dann wird das Mauerwerk saniert. Oft geschieht dies nur sehr oberflächlich, man trägt Verputze oder sogar das gesamte Mauerwerk ab – ohne dass damit das Problem gelöst wird, denn die Lebensadern des Schimmelpilzes bleiben erhalten. Daher kehrt Schimmel wieder zurück“, erklärt OFI-Expertin Gabriele Ettenberger die Leiterin des Projektteams. Nicht so bei dem Verfahren von BMB: „Dort dringt der Stoff tief in die nicht sichtbaren Kapillaren ein. In mehreren Schritten werden die Poren zuerst geöffnet, die Flüssigkeit dringt in alle Verwurzelungen ein und zerstört die Lebensadern des Schimmels.“
Dass diese Methode funktioniert, konnte das OFI durch hochspezialisierte Laboranalysen nachweisen. Das OFI zeigte, dass die Anwendung für Menschen unbedenklich ist und auch die Sporen aus der Luft durch anschließende Begasung dauerhaft entfernt werden.
Das Untersuchungsobjekt war in diesem Fall ein Wasserschaden durch Rohrbruch in einem kleinen Wiener Badezimmer – ideale Bedingungen für einen Schimmelpilz. „Es war wichtig, das geeignete ‚echte‘ Objekt zu haben, wo wir Schimmel und Sporen von der Wand und aus der Luft sammeln und die Entwicklung beobachten konnten“, so Ettenberger.
Das OFI erbrachte den Funktionsnachweis für das BMB-Verfahren und ermöglichte dem Unternehmen damit den Markteintritt. Geschäftsführer Gerhard Brandner: „Es ist die Schlüsselstudie für uns. Ohne die Studie hätten wir zwar eine gute Idee, aber kein Produkt, das wir ausloben können.“
Polymer als Frostschutz für Straßen
Schnellere Bauzeit, niedrigere Kosten und weniger Belastung für die Umwelt: Die Adinotec GmbH hat eine innovative Frostsicherung für Straßen entwickelt. Zur Marktreife gebracht wurde „Perenium“ gemeinsam mit dem Forschungspartner Smart Minerals GmbH.
Wo im Straßenbau üblicherweise eine Tragschicht zum Beispiel aus Schotter eingesetzt wird, setzt die Innovation von Adinotec auf ein Polymer: Perenium. Dieser Zusatzstoff stabilisiert in Kombination mit Zement die Tragschichten und schützt sie vor Frostschäden. Adinotec bietet Perenium heute in trockener und flüssiger Form an; es gibt Tochterunternehmen in Indien, in Polen und in der Slowakei. Leicht war der Weg dahin nicht: „Es war viel Überzeugungsarbeit“, sagt der Geschäftsführer der Adinotec, Michael Salzmann. „Das geht nur mit einem in der Branche absolut anerkannten Forschungspartner.“
Institut
VÖZ – Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie
KMU-Partner
Adinotec GmbH
Anhand der Testergebnisse können wir belegen, dass wir ein hervorragendes Produkt haben, das das Vertrauen unserer Kunden verdient.
Michael Salzmann kann jetzt bereits daran denken, sein Unternehmen Adinotec zu vergrößern: Innerhalb von nur sechs Monaten ist es dem jungen Wiener Technologieunternehmen mit gerade einmal vier Mitarbeitern gelungen, seine Innovation erfolgreich zur CE-Zertifizierung zu führen. „Anhand der Testergebnisse können wir belegen, dass wir ein hervorragendes Produkt haben, das das Vertrauen unserer Kunden verdient“, sagt Michael Salzmann. Möglich wurde die außergewöhnliche Geschwindigkeit durch die Kooperation mit Smart Minerals, einem Forschungsunternehmen, das zur Vereinigung der österreichischen Zementindustrie (VÖZ) und der TU Wien gehört. „Wir hatten zwei Vorteile“, erläutert Projektleiter und Smart Minerals-Geschäftsführer Stefan Krispel: „Nummer eins: Wir hatten das volle Vertrauen unseres Auftraggebers. Wir haben uns auf das Ziel verständigt, aber der Weg dahin war uns überlassen. Das heißt, wir durften scheitern. Nummer zwei: Wir können mit der im Haus befindlichen Zertifizierungsstelle auch gleich die Zulassung eines Produktes abwickeln.“
Perenium stellt für die Baubranche eine ziemliche Revolution dar, weil auf Schottertragschichten zur Stabilisierung des Unterbaus verzichtet werden kann. Die Verbesserung des Frostschutzes entsteht durch den Zusatz des Polymers. „Perenium erhöht die Frostbeständigkeit ohne die Druckfestigkeit zu erhöhen“, erläutert Stefan Krispel. „Eine höhere Festigkeit könnte zu Reflexionsrissen führen, daher versucht man das zu vermeiden. Dass Perenium in Kombination mit Zement und einer Gesteinskörnung ausreicht, um die Frostbeständigkeit zu verbessern, hat uns selbst überrascht.“
Für die Umwelt scheint Perenium ein Gewinn zu sein: So können die vor Ort vorhandenen Materialien in der gegebenen Gesteinskörnung für die Tragschicht eingesetzt werden. So werden Baustellenfahrten, etwa für Baumaterial, reduziert. Die Bauzeit ist kürzer und damit sinken die Kosten. Michael Salzmann rechnet damit, dass Perenium in Zukunft vor allem bei der Sanierung von Straßen eine zunehmend wichtige Rolle spielen wird.
Dass die Baubranche Innovationen gegenüber skeptisch sei, glauben übrigens weder Salzmann noch Krispel: „Die Baubranche mag konservativ sein, aber sie muss auch Langlebigkeit und Sicherheit garantieren können“, so Stefan Krispel.