Ethisch umstritten, kostenintensiv und in ihrer Aussagekraft begrenzt – es gibt viel, was gegen Tierversuche spricht und doch galten sie in der Arzneimittelentwicklung lange Zeit als unverzichtbar. Dass der einstige Goldstandard langsam zu bröckeln beginnt, ist innovativen Unternehmen wie der LifeTaq-Analytics GmbH zu verdanken. Das österreichische Start-up hat eine vollautomatisierte Maschine entwickelt, mit der sich 3D-Gewebemodelle unter kontrollierten und reproduzierbaren Bedingungen kultivieren lassen. Präklinische Studien sind damit nicht länger nur auf Mäuse, Ratten und Co angewiesen. In einem FFG-geförderten Forschungsprojekt (Automated Mass Tissue Production – AutoMTP) wurde die kompakte All-in-one-Lösung mit Partnern aus Industrie und Forschung – darunter das ACR-Institut OFI – zuletzt umfassend validiert und für den Markteintritt vorbereitet.
Mit der neuartigen Kultivierungsmethode adressieren die Entwickler*innen gleich mehrere Herausforderungen, denen sich die Pharmaindustrie derzeit stellen muss. Der Handlungsbedarf ist zweifellos groß, scheitern doch rund 90% aller Wirkstoffe in der klinischen Phase. Was damit einhergeht, ist ein enormer Verlust an Zeit und Ressourcen. In Zahlen: Pro Wirkstoff fallen im Durchschnitt Entwicklungskosten von über einer Milliarde US-Dollar an, wobei bis zur Zulassung nicht selten zehn Jahre vergehen. Gelingt es, ungeeignete Substanzen bereits in der präklinischen Phase herauszufiltern, würde das einen Meilenstein für die Arzneimittelentwicklung bedeuten.