Neues aus der Welt des Klebens

Zum 16. Mal hat das ACR-Institut OFI von 10. bis 11. November 2022 die Internationale Klebefachtagung veranstaltet, um sich über aktuelle Erkenntnisse auszutauschen, künftige Herausforderungen gemeinsam zu diskutieren und neue Kontakte zu knüpfen. Rund 60 Besucherinnen und Besucher nahmen an der wichtigen Branchenveranstaltung teil.

Veranstaltung, Blick von hinter dem Publikum auf die Bühne

Neue Produkte und konkrete Anwendungsbeispiele

Seit vielen Jahren wird bei der Befestigung von vorgehängten Fassaden auch auf die Klebetechnik gesetzt. Wie sich Verklebungen an vorgehängten Fassaden in Österreich hinsichtlich Qualität und Sicherheit durchgesetzt haben, führte OFI Experte Martin Tonnhofer in seinem Eröffnungsvortrag aus. Mit der Verbesserung von Haftungsbedingungen auf schwierigen Oberflächen hat sich Kevin Braun (Molecular Plasma Group SA) beschäftigt und eine neue Technologie vorgestellt, die durch atmosphärisches Plasma zur nachhaltigen Oberflächenfunktionalisierung beitragen soll. Die Vorzüge der UV-LUX Technologie führte Michael Schwarzott (Lohmann Klebebandsysteme) in seinem Vortrag aus. In der Anwendung bietet diese erste UV-Licht-aktivierte Klebebandtechnologie auch für anspruchsvolle Applikationen viele Optionen. Welche Rolle können Klebstoffe und Beschichtungen im Brandschutz spielen? Dieser Frage ging Markus Läpple (Nolax AG) nach und zeigte anhand unterschiedlicher Anwendungsszenarien die Möglichkeiten hochtemperaturbeständiger Produkte auf, z.B. im Einsatz für Brandschutzvorhänge.

Anwendungsorientiert hat auch Kai Palme (Ruderer Klebetechnik GmbH) seinen Vortrag gestaltet. Anhand expliziter Anwendungsbeispiele hat er gemeinsam mit den Teilnehmenden erarbeitet, welche Aspekte bei der Auswahl des richtigen Klebstoffs zu berücksichtigen sind. Welchen Beitrag oberflächenanalytische Methoden zur Aufklärung komplexer, klebtechnischer Fragestellungen leisten können, konnte Carina Kern (voestalpine Stahl GmbH) in ihren Ausführungen zeigen. Am Beispiel eines bandverzinkten Stahlfeinblechs für den Automobilbau machte sie deutlich, wie wichtig es ist zu bedenken, dass bereits geringfügige Veränderungen an Oberflächen (unerwünschte) Effekte beim Kleben auslösen können. Markus Willemeit (Delo Industrie Klebstoffe) zeigte in seinem Vortrag wie Dosierung und Voraktivierung eines Klebstoffes in einem Schritt möglich werden. Eingesetzt wird dabei die Durchflussaktivierung, eine neue Prozesstechnologie für Hightech-Klebstoffe. Den Abschluss des ersten Tages der Klebefachtagung 2022 bildeten die Ausführungen von Gabriele Eder, OFI Expertin für Materialanalyse. Sie gab Einblick in die Anwendung leitfähiger Klebstoffe als Alternative zu Lötverbindungen bei Photovoltaik-Modulen.

Von Normen und Prüfmethoden

Mit einem Update zur erst vor Kurzem veröffentlichten EN 17460, die sich dem Kleben von Schienenfahrzeugen und deren Komponenten widmet, startete die Klebefachtagung 2022 in Tag 2. Neben einer Übersicht zum aktuellen Stand, hob Peter Pázmándy (ABC – Adhesive Bonding Consultant) in seinem Vortrag die relevantesten Unterschiede zur DIN 6701 hervor. Anschließend gab Jan Sommer (Clean-Lasersysteme GmbH) Einblick in die Möglichkeiten der Oberflächenvorbehandlung mit dem Laser, und zeigte die Vorteile dieser prozessintegrierten Oberflächenmodifizierung für den Klebeprozess auf. Welche Neuheiten es bei Cyanacrylaten und Acrylaten gibt, verriet Peter Kraushofer (Bostik GmbH). Er stellte nicht nur zwei neue Produkte vor, sondern auch CIPG – Cure In Place Gasket, eine innovative Technologie zur Abdichtung. Was man beim Kleben von „schwierigen“ Kunststoffen, wie Polyolefin und Polyamid, sowie der Anwendung von feuerhemmenden Klebstoffen beachten muss und welche Produkte sich hierfür besonders eignen, darauf ging Stepan Broz (Permabond Engineering Adhesives) in seinen Ausführungen ein. Abschließend gab Paul Grillberger (ÖGUS) einen Überblick über Umweltsimulationsprüfungen, die zum Einsatz kommen, um die Beständigkeit von Klebstoffen und Beschichtungen gegenüber Umweltweinflüssen zu erfassen und so Einschätzungen zur Lebensdauer von Verbindungen ermöglichen.

Persönlicher Austausch beim „Stick-together“

Als Branchenevent bietet die Klebefachtagung, neben einem fachlichen Update, auch die Möglichkeit bestehende Kontakte zu vertiefen und neue Verbindungen aufzubauen. Die Basis dafür bildet der persönliche Austausch. „Austausch ist ein zentraler Punkt für die berufliche Weiterentwicklung. Bei der Klebefachtagung bekommt man nicht nur neue Produkte und Technologien präsentiert, man hat auch die Möglichkeit Fragestellungen gemeinsam zu diskutieren und Lösungsansätze kritisch zu hinterfragen“, so Martin Tonnhofer, der die Klebefachtagung des OFI organisiert und neben einem vielfältigen Vortragprogramm auch viel Wert auf den persönlichen Austausch legt.

Eine gute Möglichkeit dazu bietet das sogenannte „Stick-together“, das zur Klebefachtagung zugehörige Netzwerkevent. Auch dieses Jahr haben viele der Teilnehmenden die Chance genutzt und am Abend des ersten Kongresstages am Stick-together teilgenommen und dort die Gespräche vom Tag vertieft und ihr Netzwerk erweitert. Im ungezwungenen Rahmen wurde bei Speis und Trank direkt am Veranstaltungsort, dem Hotel Rainers21, geplauscht. Länger „picken bleiben“ – wie es im Wienerischen so schön heißt – war durchaus erwünscht und vor allem für diejenigen, die sich für eine Übernachtung im Hotel entschieden haben, diesmal besonders einfach.