VÖZ Kolloquium 2022 – Mit Innovationen in Richtung Klimaneutralität

DDer effiziente Einsatz von Beton, die Entwicklung und Anwendung klimafreundlicher Zemente sowie die Umsetzung richtungsweisender Projekte standen beim diesjährigen Kolloquium „Forschung & Entwicklung für Zement und Beton“ im Fokus. Seit über 30 Jahren organisiert das ACR-Institut VÖZ die Fachveranstaltung, die 250 Leute besucht haben.

Ein wesentliches Ziel der Veranstaltung ist es, Erkenntnisse aus der Forschung und neue Entwicklungen mit der Branche zu teilen. So waren Betonbau und Klimaziele auch die Themen des ersten Themenblocks. CO2-Reduktion und Materialeinsparung standen etwa im Vortrag von Johann Kollegger, Institut für Tragkonstruktionen, Forschungsbereich Stahlbeton- und Massivbau TU Wien, über zwei aktuelle Brückenbauprojekte im Zentrum. Die Brücke über die Lafnitz (S 7 Schnellstraße, ASFINAG), die mit dem innovativen Brückenklappverfahren errichtet wurde. Bei der Pinkabachbrücke der ÖBB in der Steiermark wurde erstmals ein System für mehrfeldrige Spannbetonbrücken mit sehr dünnen Fertigteilträgern angewendet. Beide Systeme ermöglichen eine rasche Bauzeit und damit verbunden auch die Einsparung von Ressourcen und CO2.

Sparmeister 3-D-Betondruck

Eduard Artner, Baumit GmbH und Erfinder des BauMinators, präsentierte gewichtsreduzierte Bauteile: „Mit dem 3-D-Betondruck gelingt uns eine massive Reduktion von Material und CO2 – ganz im Sinne der CO2-Roadmap. Wir platzieren das Material nur dort, wo es gebraucht wird, und sparen es so ein. Die Vorteile sind vielfältig: höchste Effizienz, niedrigere Kosten und maximaler Nutzen in Kombination mit Standardmethoden.“ Seine Aussagen belegte er mit überzeugenden Praxisbeispielen wie einem Pavillon, Schalungen oder einer Kassettendecke.

Klimafreundliche Zemente

Um einen ökologisch vorbildlichen Beton herstellen zu können, braucht die Industrie klimafitte Zemente – hier zeigt sich die Branche innovativ und arbeitet intensiv an Lösungen, wie Thomas Mlekusch und Günter Waldl von Leube Zement am Beispiel eines CEM II/C-Zements erläuterten. Die neue Zusammensetzung verfügt über einen erheblich reduzierten Klinkeranteil – bei gleichwertiger Qualität.

Christoph Stotter, w&p Zement GmbH, präsentierte mit dem zukunftsweisenden Demonstrationsprojekt der neuen Zentrale von Alpacem, dass klimafreundlicher Zement eine starke Zukunft hat. Florian Gschösser, floGeco GmbH und Universität Innsbruck, lieferte schließlich den Beweis, dass klimafitte Zemente einen ökologischen Mehrwert für Bauvorhaben bieten: „Das Potenzial ist gewaltig, wir verglichen das CO2-Reduktionspotenzial und allfällig verlängerte Ausschalzeiten anhand eines zehnstöckigen Wohnhochhauses in Scheibenbauweise. Auch wenn wir rund einen halben Tag länger benötigten – mit einer klugen Vorausplanung kann diese Verzögerung leicht kompensiert werden.“

Martin Peyerl von der Smart Minerals GmbH untersuchte, wie die Wahl des Bindemittelsystems die Dauerhaftigkeit von Betonbauwerken beeinflusst. Dem Wasserbindemittelwert (W/B-Wert) kommt in diesem Zusammenhang entscheidende Bedeutung zu. Zentral sind auch Nachbehandlung und Qualitätssicherung auf der Baustelle.

Unverzichtbar im Infrastruktubau

Beton ist im Kraftwerksbau unverzichtbar, ist Johann Neuner, TIWAG-Tiroler Wasserkraft AG, überzeugt. Er berichtete über den Bau des Gemeinschaftskraftwerks Inn. Dies ist das derzeit größte im Alpenraum befindliche Laufwasserkraftwerk mit einem jährlichen Output von über 400 Gigawattstunden Strom. Die Tübbinge wurden in der eigens errichteten Produktionsanlage vor Ort produziert. Somit entfiel der Straßentransport dieser Fertigteile. Der Aushub wurde zur Betonherstellung wiederverwendet.

Anita Angerer von der Porr Bau GmbH, Spezialtiefbau, verantwortet die Errichtung der Geothermie-Anlage der Sportarena Wien. Das Energiekonzept mit Tiefenbohrung und Bauteilaktivierung wurde gemeinsam mit FIN – Future is Now, Kuster Energielösungen GmbH, geplant. 70 Sonden, jeweils 150 Meter tief, und 284 Bohrpfähle wurden dafür implementiert. In Kombination mit der Bauteilaktivierung wird die Sportarena ein weiteres Vorzeigebeispiel in puncto Klimaschutz, das fossiler Energie eine klare Absage erteilt.

Den Abschluss bildete Helga Zeitlhofer von der Smart Minerals GmbH mit ihrem Beitrag, wie Betonbauarbeiten trotz Aufrechterhaltung des Verkehrs problemlos durchgeführt werden können.

Einen Bericht zum Kolloquium mit Downloadmöglichkeit der Präsentationen gibt es auf www.zement.at.

Das ZementDokument 2021/22 steht zum Download zur Verfügung.