Internationaler KMU-Tag am 27. Juni

Im Jahr 2017 haben die Vereinten Nationen zum ersten Mal den 27. Juni als internationalen KMU-Tag ausgerufen, um die große Bedeutung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) für die Weiterentwicklung und das Wachstum der Volkswirtschaften sowie deren Beitrag zum Wohlstand der Bevölkerung zu vermitteln. Aktuelle Analysen des ACR-Instituts KMU Forschung Austria belegen diese zentrale Rolle der KMU für Österreichs Wirtschaft und Gesellschaft und streichen auch die im EU-Vergleich herausragende Performance unserer kleinen und mittleren Betriebe hervor.

Eine Wirtschaft ohne kleine und mittlere Betriebe wäre nicht vorstellbar: Installateure, Frisöre, Bäcker und Gasthäuser prägen wesentlich das Bild unserer Regionen. Als Arbeitgeber, Lehrlingsausbilder und Innovatoren sind KMU maßgeblich für die Lebensqualität gerade auch in dezentralen Lagen verantwortlich. „Kleine und mittlere Unternehmen sind nicht nur das oft zitierte Rückgrat, sondern auch das Herz der österreichischen Wirtschaft“ so Peter Voithofer, Institutsleiter der KMU Forschung Austria, „viele UnternehmerInnen kleiner und mittlerer Betriebe zeichnet ein starkes Verantwortungsgefühl gegenüber ihren MitarbeiterInnen aus, was sich etwa auch in einer geringen Mitarbeiterfluktuation und langjährigen Beschäftigungsverhältnissen widerspiegelt.“

KMU werden häufig als traditionelle, teilweise eher konservative Betriebe wahrgenommen, was angesichts der Vielfalt mittelständischer Unternehmen allerdings zu kurz greift: KMU sind keine homogene Menge, sondern umfassen das innovative Start-up und das Ein-Personen-Unternehmen ebenso wie das traditionsbewusste, international tätige Familienunternehmen. Die analysierten Daten zeigen, dass KMU – unabhängig von ihrer Form – wichtige Initiatoren sowie Umsetzer für Innovation und Weiterentwicklung sind. Neue Ideen drücken sich dabei laufend in neuen Unternehmensgründungen aus, vervielfältigen damit das Leistungsangebot und sichern den funktionierenden Wettbewerb und Strukturwandel.

In Österreich haben etwa 327.500 aller Unternehmen weniger als 250 Beschäftigte und werden somit als KMU klassifiziert. Dies entspricht einem Anteil von 99,7% aller heimischen Unternehmen. Über 1,9 Mio. Personen sind in kleinen und mittleren Unternehmen beschäftigt, das sind mehr als zwei Drittel aller Beschäftigten in Österreich. KMU bilden zudem mehr als 57.000 Lehrlinge aus, was knapp zwei Drittel aller Lehrlinge entspricht. Die Umsatzerlöse von KMU belaufen sich auf rd. € 453 Mrd. und betragen damit etwa 64% des Gesamtumsatzes von Unternehmen in Österreich.

Die KMU sind die solide Basis unserer Wirtschaft. Aufgrund ihrer tendenziell langfristigeren Ausrichtung wirken sie auch als stabilisierender Faktor: Die Zahl der KMU hat sich innerhalb von drei Jahren um +4,4% bzw. knapp 14.000Unternehmen erhöht. Die Anzahl der Beschäftigten in KMU ist um mehr als 65.000(+3,5%) gestiegen. Aufgrund des demografischen Wandels und des weiterhin bestehenden Trends zu schulischen bzw. akademischen Ausbildungen ist die Zahl der Lehrlinge allerdings (nicht nur in KMU) seit Jahren rückläufig (-15,4%).

Die Investitionsleistung der KMU hat sich im Dreijahresvergleich eindrucksvoll um 6,8% auf €23,3 Mrd. erhöht, während das Investitionsvolumen aller Unternehmen (inkl. Großunternehmen) im selben Zeitraum leicht rückläufig war. Nachdem die Vorperioden von Investitionszurückhaltung gekennzeichnet waren, setzen die KMU damit wieder positive Impulse. Investitionen bilden dabei auch die Basis für Innovationen und Wettbewerbsfähigkeit in einem sich zunehmend rascher wandelnden Umfeld.

KMU sind innovativ und begreifen Digitalisierung auch als Chance

Die Daten belegen weiters, dass Österreichische KMU innovativ sind. Während in den Ländern der EU-28 im Zeitraum 2012 bis 2014 48% der KMU (ab 10 Beschäftigten) innovationsaktiv waren, lag der Anteil in Österreich bei 58%. Die meisten innovationsaktiven heimischen KMU haben organisatorische Innovationen (36%) bzw. Prozessinnovationen (31%) durchgeführt. Jeweils 29% melden Produkt- und Marketinginnovationen. Im Vergleich zu den Ländern mit den höchsten Anteilen an innovationsaktiven Unternehmen gibt es allerdings noch Verbesserungspotenzial: In Deutschland sind beispielsweise rund zwei Drittel der KMU innovationsaktiv, in der Schweiz sind es rund drei Viertel. (Quellen: Statistik Austria, Eurostat)

Auch beim Thema Digitalisierung schneiden die österreichischen KMU bei einigen Aspekten besser ab als der EU-28 Durchschnitt. Während beispielsweise 88% der heimischen KMU über eine Website verfügen, liegt der Anteil in den EU-28-Länder bei 77%. 49% der österreichischen KMU sind in den sozialen Medien aktiv (EU-Durchschnitt: 44%). Zudem nutzen 40% der österreichischen KMU Enterprise Ressource Planning (ERP) Softwarepakete (EU-28: 34%) und 43% Software-Lösungen wie Customer Relationship Management (CRM) (EU-28: 32%). Ein Drittel der heimischen KMU kauft online ein (EU-28: 24%). Aufholbedarf besteht bei den heimischen KMU im Bereich des Online Vertriebs. 15% der österreichischen Klein- und Mittelbetriebe verkaufen ihre Produkte online (EU-28: 17%). Ein weiterer Punkt in dem sich Österreich noch verbessern kann, ist die Zahl der Start-ups im IKT-Sektor. Hier liegt Österreich unter dem EU-Durchschnitt. (Quellen: Eurostat; European Commission – Digital Economy and Society Index; Digital Transformation Scoreboard 2017) Insgesamt verdeutlichen die Daten jedoch, dass die österreichischen KMU die Digitalisierung auch als Chance verstehen, und nicht ausschließlich die Risiken bzw. die Bedrohung wahrnehmen.

KMU sind Garant für berufliche Bildung und sichern Fachkräfte von Morgen

KMU spielen auch eine wesentliche Rolle als Arbeitgeber und Lehrlingsausbilder. Das großteils von KMU getragene duale Ausbildungssystem in Österreich gilt international als Vorzeigemodell. Abgesehen von der Lehrlingsausbildung spielt auch die Weiterbildung der MitarbeiterInnen eine wichtige Rolle, denn qualifizierte, zufriedene MitarbeiterInnen bilden die Basis für Weiterentwicklung und Innovation im Unternehmen. Rund neun von zehn KMU (ab 10 Beschäftigten) bieten ihren Beschäftigten betriebliche Weiterbildungsmaßnahmen an. Innerhalb der EU halten die österreichischen Unternehmen damit einen Platz im Spitzenfeld (Quelle: Eurostat). Durch ihr Engagement im Bereich der dualen Ausbildung sichern die österreichischen KMU nicht nur die so dringend gebrauchten Fachkräfte von Morgen, sondern leisten auch einen Beitrag zur im EU-Vergleich niedrigen Jugendarbeitslosigkeit.

„Die Daten belegen, dass KMU für Veränderung und Weiterentwicklung stehen, ohne dabei ihre gute Basis und die Erfolge der Vergangenheit außer Acht zu lassen. Damit KMU auch zukünftig ihre vielfältigen Rollen erfüllen können, soll der Ausgestaltung guter Rahmenbedingungen weiterhin hohe Priorität zukommen.“ so Mag. Peter Voithofer.

Grafiken und Tabellen mit Detailergebnissen hier

https://www.kmuforschung.ac.at/