Neue Studie zu Zivilcourage von Jugendlichen im Internet

Das Forschungsprojekt „Zivilcourage 2.0“ an dem auch das ACR-Institut ÖIAT als Praxispartner beteiligt war, endete mit Februar 2019. Untersucht wurde, wie Jugendliche damit umgehen ZeugInnen von Gewalt online zu sein.

Jugendliche werden heute nicht nur immer häufiger Opfer, sondern auch ZeugInnen von Online-Gewalt. Was hindert sie daran, sich im Internet für ihre Peers einzusetzen und wie könnten sie zu zivilcouragiertem Handeln motiviert werden? Diese Fragen beantwortet die kürzlich abgeschlossene „Zivilcourage 2.0“-Studie der Universität Wien, an der das ACR-Institut ÖIAT als Praxispartner beteiligt war.

Immer häufiger erleben Jugendliche als Umstehende Übergriffe im Internet: von schwer übergriffigen Postings, rassistischen oder anzüglichen Beleidigungen, Erpressungen, ungewolltem sexuellen Bedrängen oder Konfrontationen mit pornographischen Inhalten bis hin zu physischen Gewalt- oder Tötungsandrohungen. Wie gehen sie damit um? Wie reagieren sie darauf? In der umfassenden Studie wurden 14 bis 19-jährige Jugendliche befragt. Auf Basis von Grup-pendiskussionen mit 142 Jugendlichen wurden die Vignetten für die Umfrage entwickelt. Schließlich wurden 1.868 SchülerInnen aus Wien in einer repräsentativen Erhebung befragt, bei der auch hypothetische Online-Übergriffe bewerten wurden.

Klar wird – der Anteil an Jugendlichen, die bereits Gewalt im Netz miterlebt haben, ist hoch. 86% haben bereits Hasskommentare gesehen, 50% geben an (sehr) oft darauf zu treffen. Viele sind auch bereits selbst schon davon betroffen gewesen: 34% wurden bereits mit Kommentaren verspottet, 32% haben bereits schlimme Fotos/Videos erhalten.

Die Ergebnisse zeigen die Unterschiede zwischen dem zivilcouragierten Handeln in der Offline- und Online-Welt von Jugendlichen. Zivilcouragiertes Verhalten online wird als wenig hilfreich, gleichzeitig aber auch als wenig aufwändig eingestuft. Es zeigt sich auch, dass Mädchen online viel mehr von verbalen Beschimpfungen betroffen sind als Jungs. Sie sind daher auch eher bereit, sich online zu engagieren. Auf Basis der empirischen Erkenntnisse sollen Informations-, Schulungs- und  Trainingsangebote entwickelt werden, um Online Zivilcourage unter Jugendlichen gezielt zu fördern. Als ein erstes Ergebnis erarbeitete die Initiative Saferinternet.at (ÖIAT) bereits einen Jugendlichen-Flyer zum Thema, der kostenlos in Klassenstärke bestellt oder als pdf heruntergeladen werden kann. Er gibt Anregungen, wie man online für andere einstehen kann und zeigt, wie man sich dabei selbst schützt. Oberste Maxime dabei ist: Nicht alles muss man alleine schaffen, oft muss man sich auch Hilfe von anderen holen.

Weiterführende Links

https://www.saferinternet.at/news-detail/neuer-jugendlichen-flyer-zivilcourage-online/

 

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