Preistransparenz von E-Commerce-Angeboten

Das Internet bringt durch dessen globalen Zugang und die immer einfacher werdende Nutzung neben zahlreichen Vorteilen auch Nachteile für KonsumentInnen mit sich, etwa durch den Missbrauch digitaler Dienste. Das ACR-Institut ÖIAT entwickelt zusammen mit AIT ein Monitoring- und Analysetool für verbesserte Preistransparenz von E-Commerce-Angeboten.

Dynamic und Personal Pricing-Methoden zählen neben Internet-Betrug zu wichtigen Unsicherheitsfaktoren im E-Commerce und bremsen damit die weitere positive Entwicklung des Online-Shopping. Einerseits sind bei einer datenbasierten Preisgestaltung rechtliche Aspekte (Datenschutz, Diskriminierungsfreiheit) zu beachten, andererseits verfügen große Online-Plattformen über bessere technologische Möglichkeiten bei der Erhebung von Kundendaten zum Langzeit-Kaufverhalten im Netz, das kann zu verzerrten Marktverhältnisse gegenüber kleineren Online-Händlern führen und damit auch auch zur Verunsicherung bei KonsumentInnen.

Mangels eines strukturierten, kontinuierlichen Monitorings dynamischer und personifizierter Preisgestaltungtaktiken gibt es derzeit wenige verlässliche Erkenntnisse zur Kundenakzeptanz dieser datenbasierten Pricing-Methoden. Existierende Preisvergleichsportale sind mit ihrer Beschränkung auf den Einsatz klassischen Web-Crawlings nicht geeignet, fundierte Aussagen zu treffen.

„preis.wert“ etabliert neues Wissen im Konsumentenschutz

Im Projekt „preis.wert“ entwickeln E-Commerce ExpertInnen des ACR-Instituts ÖIAT (Österreichisches Institut für angewandte Telekommunikation) und Data Scientists am AIT Austrian Institute of Technology gemeinsam ein Framework für die strukturierte Datensammlung zu Dynamic und Personal Pricing. Die erhobenen Daten aus dem systematischen Monitoring von datenbasierten Preisgestaltungspraktiken der E-Commerce-Anbieter fließen in eine Studie ein, deren Ergebnisse für größere Transparenz auf KonsumentInnenseite, mehr Chancengleichheit für kleine E-Commerce Anbieter und für ein evidenzbasiertes Policy-Making sorgen werden. Diese europaweit erstmalig angewandte technikbasierte Analyse von Personal und Dynamic Pricing auf der Grundlage von Open Source-Technologie wurde im Rahmen der Förderaktion netidee 2018 als eines von 25 Projekten ausgewählt. Die Laufzeit des Projektes beträgt ein Jahr.

Überwindung von Unsicherheiten im Online-Shopping

Durch Analyse und Evaluation der erhobenen Datensätze werden sowohl örtlich/regionale, zeitabhängige und Device-bezogene Preisbildungspraktiken im Online-Handel identifiziert und für die verschiedenen Zielgruppen des Forschungsprojektes transparent gemacht. Dezidierte Handlungsanleitungen werden KonsumentInnen zu informierteren Kaufentscheidungen ermächtigen und Online-Händler bei der Auswahl von gesellschaftlich und ethisch akzeptierten Preisgestaltungsmethoden unterstützen. Die gewonnenen Ergebnisse, Bewertungen und Empfehlungen des Projektes werden nicht nur in einer wissenschaftlichen Publikation veröffentlicht, sondern stehen der Allgemeinheit auch in Form von Open Source Softwarelösungen und aufbereiteten Open Data-Datensätzen zur Verfügung. Ziel des Projektes ist es darüber hinaus, die Erkenntnisse aus der Umsetzung mit dem Kooperationspartner Österreichisches E-Commerce-Gütezeichen in einem regelmäßigen Monitoring umzusetzen.

„Wir erwarten uns aus der technischen Projektumsetzung viele, neue Erkenntnisse, mit denen wir das Software-Framework in Zukunft in Richtung selbstlernende Software für Preisbeobachtung weiter entwickeln können, welche mit der Dynamik der Preisentwicklungsmethoden mithalten kann“, so Andrew Lindley, Research Engineer und Data Scientist am AIT Center for Digital Safety & Security.

„Als Organisation, die sowohl für Qualität auf Anbieterseite sowie Transparenz für KonsumentInnen eintritt, werden wir die Ergebnisse dieses einmaligen Forschungsprojektes über unsere europäischen Partnerschaften verbreiten, um mittelfristig rechtlich und ethisch einwandfreie Standards für Dynamic und Personal Pricing zu etablieren und damit das Online-Shopping in Europa als wichtigen Motor des digitalen Binnenmarktes weiter zu pushen“, ergänzt Projektleiter Thorsten Behrens vom ÖIAT.

www.oeiat.at

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