Schalllabor in Medium und in XL

Am 22. Oktober wurde das Akustik Center Austria am HFA-Standort in Stetten in Niederösterreich mit einem Festakt eröffnet. Das Schalllabor hat einen Medium-Prüfstand und einen F&E-Prüfstand in XL. Themen sind Leichtbau und tiefe Frequenzen. Partner der HFA sind das TGM und die TU Wien.

Aufgrund der permanent steigenden Beeinträchtigung der Bevölkerung durch Lärm (steigendes Verkehrsaufkommen oder neue Technologien im Entertainmentbereich, die aus der Nachbarwohnung kommen!) und der damit einhergehenden negativen Auswirkungen auf die Gesundheit, wurden und werden europaweit die Anforderungen an den Schallschutz insbesondere im tiefen Frequenzbereich unter 100 Hz verschärft. Gleichzeitig können herkömmliche Prüfstände, die zwar übliche Bauteilabmessungen in Wohnungen darstellen, in diesem Frequenzbereich aufgrund der geringen Volumina  keine reproduzierbaren Ergebnisse liefern. Und zusätzlich können aufgrund der fehlenden Datenbasis selbst Experten nur unzureichende Prognosen bezüglich der akustischen Performance im erweiterten Frequenzbereich von Materialien, Bauteilen und Konstruktionen abgeben.

Um für diese Problemstellungen Lösungen anbieten zu können, wurde das Gemeinschaftsprojekt gestartet. Im ersten Projektabschnitt wurde neben einer normativen Prüfstandkonfiguration ein wesentlich größerer F&E Prüfstand entwickelt und errichtet. Dieser dient als Grundvoraussetzung zur Erarbeitung der aktuellen Forschungsthemen und der Bauteiloptimierung im  Frequenzbereich unter 100 Hz. Der F&E Prüfstand erlaubt aber nicht nur eine zuverlässigere Messung im tiefen Frequenzbereich, er ermöglicht vielmehr auch die detaillierte Analyse der Abstrahlung von größeren Bauteilen wie sie etwa im Objektbau immer öfter vorkommen. Darüber hinaus besteht auch die Möglichkeit die Schall-Längsleitung von Konstruktionen, sowohl horizontal, als auch vertikal zu untersuchen.

Durch die besonders flexible Bauweise ist auch der Umbau zu einem Freifeldprüfstand zur Messung von Fassadenkonstruktionen möglich. Im zweiten Projektabschnitt wird die errichtete Infrastruktur für die Erarbeitung von Lösungen für die Leichtbauweisen im tiefen Frequenzbereich unter 100 Hz und für die subjektive Wahrnehmung in der Bauakustik genutzt werden. Parallel hierzu wird das Know-how der drei Forschungseinrichtungen und die Infrastruktur der Wirtschaft zur Durchführung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten sowie von qualitätssichernden und optimierenden Prüfungen angeboten. Diese Untersuchungen können mit dem ersten Quartal 2016 nach den erforderlichen qualitätssichernden Validierungs- und Abnahmemessungen starten.

Forschungsthemen sind etwa:
• Herausforderung Leichtbauweise und Lösungen für den tiefen Frequenzbereich
• Bedeutung der subjektiven Wahrnehmung der Bewohner
• Weiterentwicklung von Vorhersagemodellen
• Einfluss von Verkehrslärm auf unterschiedliche Fassaden- und Fensterkonstruktionen

Prüfstände:
• Wand- und Deckenprüfstände (50-60 m³) für bauakustische Prüfungen im normativen Frequenzbereich
• Forschungsprüfstände (137-153 m³) für Untersuchungen im erweiterten normativen Frequenzbereich und für Untersuchungen von Sondergrößen
• Prüfstände für vertikale und horizontale Flankenübertragung
• flexibler Türen- und Fensterprüfstand
• Prüfstand für Freifeldmessungen an Fassaden
• Prüfstände zur Messung der Längsschalldämmung von Hohlraumböden und Unterdecken

Messtechnik:
• modernstes Akustik-Messsystem mit 32 Kanälen zur Schall-Schwingungs- und Intensitätsmessung
• Laser-Doppler-Scanning-Vibrometer zur Erfassung mechanischer Schwingungen
• Tieftonlautsprecher für die Schallmessung im erweiterten Frequenzbereich

Das Akustik Center Austria wird von der Holzforschung Austria (HFA) mit dem Technologischen Gewerbemuseum (TGM) und der Technischen Universität Wien (TU Wien) in Kooperation betrieben. Das Infrastrukturprojekt wird im Rahmen der Förderlinie COIN von BMWFW und BMVIT in der Höhe von rund 1 Mio. Euro gefördert. Die Förderabwicklung erfolgt über die FFG. Weitere finanzielle Unterstützung erhält das Akustik Center Austria durch den Fachverband der Holzindustrie und die Bundesinnung Holzbau.

www.akustikcenter.at

www.holzforschung.at

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