"Wir erzeugen einen enormen Hebel in der Wirtschaft"

ACR-Präsident Martin Leitl sprach anlässlich der Alpbacher Technologiegespräche mit Harald Hornacek von Austria Innovativ über das Erfolgsgehemnis der ACR und die innovative Stärke der KMU:

Harald Hornacek: Worin liegt das Erfolgsgeheimnis der ACR?

Martin Leitl: Grundsätzlich darin, dass unsere 18 Institute nicht nur im Forschen und Entwickeln sehr professionell sind, sondern auch im Prüfen, Inspizieren und Zertifizieren. Als Klein- und Mittelbetriebe kennen sie natürlich auch die Probleme und Herausforderungen eines KMU sehr gut und wissen vor allem, wie wichtig es ist, erfolgsorientiert zu wirtschaften. Die Mitgliedsinstitute der ACR müssen ihre Investitionen selbst verdienen, auch wenn sie gemeinnützig organisiert sind. Die ACR funktioniert vor allem wegen der Kombination aus gemeinnütziger Unterstützung von KMU-Innovationen und erfolgsorientiertem Wirtschaften so gut. 

Die ACR wird aufgrund der - freilich vergleichsweise geringen - Unterstützung gerne zum öffentlichen Teil des Forschungs- und Innovationssystems gezählt, ist aber im Prinzip privatwirtschaftlich organisiert. Welche Vorteile bringt diese Konstruktion mit sich?


Grundsätzlich bietet das den Vorteil, dass die ACR-Institute sich gemeinnützige Tätigkeiten und Unterstützung auch für kleinere Unternehmen leisten können. Dafür ist die Unterstützung der öffentlichen Hand natürlich wichtig. In vielen Bereichen sind diese Leistungen als Innovations-Unterstützung von kleineren Unternehmen ohne eigene Forschungsabteilung, die dann Wissen von außen bekommen, einzuordnen, die ohne Förderung so nicht machbar wären. Wir haben also trotz einer vergleichsweise geringen Unterstützung, einen enormen Hebel in der Wirtschaft erzeugt. Durch uns werden KMU in ihren  Innovationsbestrebungen und ihrer Wettbewerbsfähigkeit unterstützt. Damit leisten wir auch als ACR einen wichtigen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft. Ich wünsche mir daher, dass unsere wichtige Rolle auch mehr wahrgenommen wird. Wir werden als ACR wohl auch deshalb in unserer Bedeutung nicht ganz richtig eingeordnet, weil man KMU als selbstverständlich nimmt, immerhin sind das ja mehr als 99 Prozent aller Firmen in Österreich. Das ist aber nicht überall so. Unsere jüngste Studienreise nach Finnland hat gezeigt, dass diese Struktur gut und stärkend für ein Land ist. Dort hat der Niedergang von Nokia dazu geführt, dass das ganze Innovationssystem an der Kippe war. Die Finnen versuchen jetzt wieder eine KMU-Struktur mit Start-ups aufzubauen. Es zeigt sich einfach in allen Studien, dass innovative KMU wettbewerbsfähiger und resilienter sind.

Wenn wir in andere europäische Länder blicken, so zeigt sich, dass Österreich zwar recht hohe Inputs in das F&E System aufweist (Forschungsquote), doch auf der Output-Seite mangelt es mitunter. Woran liegt das? Wie können wir besser werden?

Ich denke, dass an dieser immer wieder geäußerten Kritik etwas dran ist. Wir stecken viel Geld in das Innovationssystem, haben aber gleichzeitig viel ungenütztes Potenzial, aus Forschung Innovationen zu machen, die am Markt auch erfolgreich sind. Wir investieren viel in Grundlagenforschung, erzeugen viele Studien, produzieren viele Ergebnisse, die aber dann viel zu wenig in der Wirtschaft und vor allem in den KMU ankommen. Wir haben dazu unlängst mit Bundesminister Heinz Faßmann gesprochen und diskutiert, wie man dieses Potenzial besser in der Wirtschaft nutzen kann. Die KMU wissen ja oft nicht, was an den Universitäten geforscht wird. Sie beschäftigen sich selten mit wissenschaftlichen Studien und wissen daher oft nicht, was davon für sie wichtig sein könnte. Hier fehlt ein Bindeglied, wo die relevanten Ergebnisse für KMU aufbereitet werden. Hier kann die ACR als Partner Hilfestellung leisten, wenn die Universitäten mehr auf Betriebe zugehen und nicht warten, bis die Firmen kommen. Wir könnten damit den Output steigern. Ich will da nicht die Freiheit der Forschung in Frage stellen, aber ich denke, es könnten wissenschaftliche Ergebnisse mehr Nutzen für die Wirtschaft bringen.

Die ACR ist ein wichtiger Forschungspartner für KMU. Worin liegt die innovative Stärke der KMU im Vergleich zu Großunternehmen? Und wie ergänzen sich Groß- und Kleinbetriebe einander in der Forschung?

Gerade KMU müssen ihre Innovationen sehr schnell auf den Markt bringen. Sie können nicht jahrelange wissenschaftlich Grundlagen erforschen. Sie brauchen Prozesse und Innovationen, mit denen man rasch Geld verdienen kann. Die Großindustrie hat den längeren finanziellen Atem und kann auch entsprechend längere Entwicklungsphasen durchstehen. Doch nicht selten erhalten die Großen Innovationen von kleinen Zulieferbetrieben. Diese Systeme müssen einander ergänzen und dabei sind die Innovationsleistungen der KMU unentbehrlich. Wir haben auch sicher mehr als manchmal genannten rund 3.000 KMU, die innovativ sind. Hier dürften nur jene gezählt worden sein, die mit FFG-Unterstützung Innovationsprojekte machen. Die ACR will verstärkt helfen, dieses Innovationspotenzial zu nutzen: Wo können sich KMU und Industrie gemeinsamen einbringen, gemeinsam noch erfolgreicher werden?

Man kann ja heute nicht allzu weit nach vorne blicken - doch wo soll die ACR Ihrer Vorstellung nach in 5 Jahren stehen? Welche Rolle wird sie im Innovationssystem spielen, auch im europäischen?

Ich würde mir wünschen, dass unser Netzwerk noch größer wird – nicht nur an Umsatz und Mitgliedern, sondern auch mit Kooperationen im österreichischen Innovationssystem.  Ich könnte mir gut vorstellen, hier neue Schwerpunkte zu setzen, weil wir sehen, dass unsere Hebelwirkung viel bringt. Zugleich ist das auch eine echte Herausforderung, denn die strengen ACR-Kriterien sind nicht so leicht erfüllbar. Die Institute müssen ja nicht nur wirtschaftlich erfolgreich, sondern auch gemeinnützig sein. Die Frage ist, wer verpflichtet sich, vorrangig von KMU-Aufträgen zu leben, wenn die Industrie der größere Partner sein könnte? Deshalb ist die Unterstützung der öffentlichen Hand so wichtig, um die entsprechende Hebelwirkung für KMU entfalten zu können. Auch die Internationalität wird immer wichtiger: hier wollen wir noch mehr über Österreich hinausschauen und sehen, wie andere es machen. Da kann man sich vielleicht auch einmal etwas abschauen. Fazit: An unserer dreifachen Brückenfunktion Ausland/Inland, Wirtschaft/Wissenschaft sowie Industrie/KMU werden wir auch die nächsten Jahre sehr intensiv arbeiten und uns weiter verbessern. Das Potenzial der KMU und deren Unterstützung durch die ACR ist für den Forschungs- und Wirtschaftsstandort Österreich auch in Zukunft von größter Bedeutung.

www.austriainnovativ.at

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