ACR-Expertin Doris Entner mit Spezialpreis ausgezeichnet

Die Vorarlbergerin Doris Entner beschäftigt sich im ACR-Institut V-Research mit "Engineering Design Automation and Optimization" und forscht im Bereich Datenanalyse und maschinelles Lernen. Für ihre Arbeit wurde sie im Rahmen des Wissenschaftspreises des Landes Vorarlberg kürzlich mit dem Spezialpreis ausgezeichnet.

Doris Entner wurde 1983 geboren und ist in Rankweil aufgewachsen. Nach der Matura an der HAK-Feldkirch studierte sie von 2003 bis 2008 Technische Mathematik an der Universität Innsbruck und ab 2008 Computerwissenschaften an der Universität Helsinki. Dort schloss sie 2013 das Doktorat ab. Seither ist sie beim namhaften überbetrieblichen Forschungsinstitut und ACR-Mitglied V-Research in Dornbirn im Bereich Engineering Design Automation in verschiedenen Projekten tätig.
Engineering Design Automation zielt auf die automatisierte, computerunterstützte Bearbeitung von Konstruktionsaufgaben ab. Dazu müssen zuerst jene Tätigkeiten identifiziert werden, für die eine Automatisierung Sinn machen. Oft haben diese immer wieder sehr ähnliche Abläufe und kosten viel Zeit. Es geht um Aufgaben, die ohne Computerunterstützung nur schwer lösbar wären, etwa die Betrachtung tausender oder gar Millionen möglicher Lösungen. „Wir haben zum Beispiel die Erstellung von CAD-Modellen und Zeichnungen automatisiert“, erzählt Entner. Der Ingenieur bzw. die Ingenieurin müsse nur noch Eckdaten eines Produkts in eine Bedienoberfläche eingeben, das zugehörige Modell und die Zeichnungen werden dann automatisch angepasst. Das spart viel Arbeit. Denn damit einher gehen auch klare Wettbewerbsvorteile durch verkürzte Bearbeitungszeiten, Kostenersparnisse und insgesamt bessere Produkte.

Produkte verbessern

Optimierung ist dabei oft ein wichtiger Teil der Aufgaben. Wie der Name verrät, geht es darum, das Produkt besser zu machen, also leichter, günstiger und stabiler. Durch mathematische Optimierungsalgorithmen werden solche Verbesserungen systematisch erreicht. Entner nennt als Beispiel die Bestimmung der Blechdicken von Portalen oder Auslegern von Kranen, um die statischen Anforderungen zu erfüllen: „Dickere Bleche machen den Kran stabiler, aber auch schwerer und teurer. Durch die Optimierung wird der Kran die statischen Anforderungen erfüllen, aber so leicht und günstig wie möglich sein“. Entner forscht zudem im Bereich Datenanalyse und maschinelles Lernen. Dabei geht es um die Entwicklung und Anwendung von mathematischen Verfahren, um Informationen aus gesammelten Daten zu extrahieren und auf neue Daten zu verallgemeinern. So werden zum Beispiel Vorhersagemodelle entwickelt. „In diesem Bereich habe ich in Finnland meine Doktorarbeit geschrieben, V-Research legt nun verstärkt einen Fokus auf solche Themen“, führt Entner aus.

Ressourcen bündeln

Überhaupt sei ein Fokus auf MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) sowie die Arbeit überbetrieblicher Forschungsinstitute wie V-Research oder jene der Fachhochschule Vorarlberg wesentlicher Erfolgsfaktor für den Wirtschaftsstandort betont Entner. „In Forschungsinstituten werden bestimmte Themengebiete dieser Fächer vertieft, Wissen gebündelt und es kann grundlegende und praxisbezogene Forschung dazu betrieben werden“. Dafür seien in Betrieben oft zu wenige Ressourcen vorhanden. Kooperationen von Unternehmen mit Forschungsinstituten sind daher meist Win-win-Situationen. „Während Unternehmen vom Wissen der Institute zur Lösung von Problemen profitieren, liefern sie wiederum wertvolle Anwendungsfälle für die Institute, um Methoden und Werkzeuge zu evaluieren und zu verfeinern", erklärt die Forscherin.

Früh begeistert

Vor ihrer Laufbahn in Finnland hat Entner an der Uni Innsbruck einen Abschluss in technischer Mathematik gemacht. „Design Automation und Datenanalyse verwenden viele Verfahren aus der angewandten Mathematik und der Statistik. Zudem sind ein strukturiertes Vorgehen und Analysieren von Prozessen wichtig, um Probleme erfassen, formalisieren und lösen zu können. Von klein auf habe ich mich schon immer gerne mit Zahlen und Rätseln beschäftigt", sagt Entner.

Auszeichnung

Für ihr Engagement wurde Doris Entner im Rahmen des Wissenschaftspreises des Landes Vorarlberg kürzlich mit dem Spezialpreis ausgezeichnet. Dieser seit 2005 verliehene Spezialpreis soll nicht nur die Wertschätzung und Anerkennung für die geleistete wissenschaftliche Arbeit zum Ausdruck bringen, sondern auch Anreiz für Nachwuchsforscher sein. Die Erforschung neuer Fragestellungen, Herausforderungen und Erkenntnisse sind Basis der Weiterentwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen. „Es ist eine Ehre, mich in die Liste der Preisträger und Preisträgerinnen einzureihen. Die Verleihung ist eine Anerkennung der oft doch nicht so sichtbaren Arbeit der Wissenschaft und eine Motivation, dranzubleiben“, sagt Entner.

https://www.acr.ac.at/acr-expertinnen/
www.v-research.at

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