KMFA: Digital Landscape für die Bauwirtschaft

Die Baubranche hinkt bei der Digitalisierung hinterher. Das ist schade, denn damit verzichtet sie auf Produktivitätssteigerungen – und die neuen Technologien bieten faszinierende Möglichkeiten. Einen Einblick gibt die Broschüre“Digital Landscape für die Bauwirtschaft“, ein Ergebnis aus dem strategischen ACR-Projekt KMU 4.0, an dem die ACR-Institute KMFA, ÖIAT, GET, IBO beteiligt waren und welches vom Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort gefördert wurde.

Das strategische ACR-Projekt KMU 4.0 hatte zum Ziel, KMU aus der Baubranche bei den Herausforderungen der Digitalisierung zu unterstützen. Mit unterschiedlichen Angeboten wie einer umfangreichen Erarbeitung relevanter digitaler Technologien der Baubranche, einer Übersicht zu Digitalisierungsförderungen und einem Coachingprogramm wird die Baubranche in Richtung Digitalisierung begleitet.

Was ist die Digital Landscape?

Die Digital Landscape für die Bauwirtschaft gibt einen Überblick über relevante digitale Techno-logien mit Fokus auf die Gebäudelebenszyklusphase Errichtung. Adressiert werden EntscheidungsträgerInnen in KMU, die im Baugewerbe bzw. in der Gebäudetechnik tätig sind. Ziel der Digital Landscape ist es, ihnen Orientierung über Zukunftstechnologien und deren Anwendung am Bau zu geben. In kompakter Weise wird jede Technologie kurz beschrieben sowie ihre Potenziale und Herausforderungen innerhalb der Baubranche dargestellt. Wer mehr zu einer einzelnen Technologie wissen möchte, gelangt über eine interne Verlinkung im Dokument ins Lexikon. Dort finden LeserInnen detailliertere Informationen, Beispiele für Anwendungen sowie weitere Infoquellen.

Die Digital Landscape richtet sich nicht nur an EinsteigerInnen, die Übersicht beinhaltet auch hoch innovative, zukunftsträchtige Technologien. Je nach Komplexität und Verbreitungsgrad wurden die Technologien in drei Fortschritts-Levels, eingestuft. Im Level Basic finden sich primär Technologien, die bereits in einer Vielzahl von Anwendungen am Markt verfügbar sind und daher auch im KMU-Sektor relativ einfach angewendet werden können. Level 2, Advanced, umfasst Technologien mit einem höheren Komplexitätsgrad. Diese finden noch keine umfassende Verbreitung, eine Auseinandersetzung damit wird – um konkurrenzfähig zu bleiben – früher oder später jedoch notwendig sein. Technologien, die in ihrer Anwendung und Etablierung am anspruchsvollsten sind, werden in Level 3 zusammengefasst. Dieser Level ist gekennzeichnet durch einen hohen Innovationsgrad, durch welchen neue Geschäftsfelder und ‑modelle entstehen können.

Mehr als BIM

Aus der Digital Landscape geht klar hervor, dass Digitalisierung in der Bauwirtschaft mehr ist als nur Building Information Modelling (BIM). Die Bandbreite reicht von Baustellenapps und Drohnen hin zu noch kaum verbreiteten Anwendungen wie dem 3D-Druck von ganzen Gebäuden oder der Überwachung von Lieferketten mittels Blockchain-Technologie. Die unterschiedlichen Technologien bringen vielfältige Anwendungsoptionen mit sich, die Einführung bzw. Umsetzung bereitet den UnternehmerInnen jedoch Schwierigkeiten.

Herausforderung digitaler Wandel

Die Etablierung einer neuen Technologie in einem Unternehmen ist mit vielen Herausforderungen und Hemmnissen verbunden. Im Zuge des Projektes wurden UnternehmerInnen aus der gesamten Wertschöpfungskette Bau zu ihren konkreten Erfahrungen mit Digitalisierung befragt. Hierbei zeigte sich, dass der Kostenfaktor die größte Hürde, eine digitale Technologie ins Unternehmen zu holen, darstellt. Aber auch unausgereifte Technologien und der hohe Aufwand für Schulungen der MitarbeiterInnen werden immer wieder als Hindernisse genannt. Trotzdem muss sich jede/jeder UnternehmerIn die Frage stellen, welche Neuerungen in Zukunft einen Wettbewerbsvorteil bieten bzw. überhaupt unverzichtbar werden. Hier kann die Digital Landscape unterstützen und EntscheidungsträgerInnen einen ersten Einblick liefern.

Die Digital Landscape vermittelt auch eine Vorstellung davon, wie groß die mit einer Technologie verbundene Herausforderung nun tatsächlich ist. In einer Heatmap erkennen UnternehmerInnen anhand eines Farbsystems, wie schwierig es sein wird, bestimmte Hürden wie zum Beispiel Kosten, Nachfrage oder Datenschutz bei der jeweiligen Technologie zu überwinden. Diese Darstellung ergab sich aus der Kombination der objektiven Beurteilungen (z.B. von tatsächlichen, bekannten Kosten) mit subjektiven Wahrnehmungen (z.B. vermutete Kosten oder subjektive Kosten-Nutzen-Abwägungen).

Zusammenfassung, Fazit & Ausblick

Welcher ist der nächste Schritt in Richtung Digitalisierung? Welche Technologien sind in meiner Branche überhaupt relevant und mit welcher lohnt es sich, sich umfassend zu beschäftigen? Eine Antwort darauf ist nicht leicht zu finden. Die Digital Landscape unterstützt UnternehmerInnen der Bauwirtschaft bei diesen Entscheidungen und gibt einen ersten Einblick in die vielzähligen Möglichkeiten der Digitalisierung.

Vor diesen Fragen stehen jedoch nicht nur UnternehmerInnen der Bauwirtschaft. Mit den Erfahrungen aus dem Projekt KMU 4.0 können die ACR-Institute als kompetente Digitalisierungspartner weitere Branchen unterstützen und digitale Entwicklungen beispielweise in einer neuen Digital Landscape abbilden.

Projektinformation

Projektname:                           KMU 4.0
Beteiligte Institute:                   KMU Forschung Austria (KMFA) – Lead, Güssing Energy Technologies (GET), Österreichisches Institut für Bauen und Ökologie GmbH (IBO), Österreichisches Institut für angewandte Telekommunikation (ÖIAT)
Ansprechperson(en):                Mag. Veronika Huemer-Kals, Österreichisches Institut für Bauen und Ökologie GmbH (IBO)
Projektdauer:                          04/2018 bis 03/2020
Förderung:                              Strategisches ACR-Projekt, gefördert duch das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort

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