Strategische Projekte gestartet

Ein wichtiges strategisches Ziel des Forschungsnetzwerks ACR ist, dass seine Mitglieds-Institute themen- und schwerpunktübergreifend verstärkt zusammenarbeiten und dafür auch Infrastruktur gemeinsam anschaffen und nutzen. Aus diesem Grund hat die ACR mit Unterstützung des BMWFW bereits 2012 einen Pilotversuch gestartet, gemeinsam genutzte Infrastruktur zu fördern. Die Erfahrungen daraus übertrafen die Erwartungen sogar und so wurde diese Maßnahme um die Initiative "Strategische Projekte" ergänzt.

Anders als bei der Infrastrukturförderung liegt der Fokus der strategischen Projekte darin, die ACR-Institute beim Know-how Aufbau und bei der Qualifizierung von Schlüsselmitarbeiterinnen und -mitarbeitern zu unterstützen. Dieses Know-how ist ein wesentlicher Faktor zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit sowohl in den ACR-Instituten selbst als auch bei deren "Kunden", den österreichischen Unternehmen. In einem transparenten internen Wettbewerbsverfahren im Sommer 2016 wurden von den Instituten insgesamt 14 Projekte eingereicht, sechs davon wurden zur Förderung ausgewählt, einige wurden bereits gestartet. Die Projektdauer liegt zwischen einem und etwas über zwei Jahren, die Ergebnisse werden jeweils im ACR-Newsletter präsentiert. Worum es in den Projekten geht lesen Sie hier:

Digitale Gebäudemodelle für nachhaltige Gebäude

Die Ansprüche an Energieeffizienz, Energieversorgung, Komfort und Wirtschaftlichkeit im Betrieb von Gebäuden und Wohnungen sind in den letzten Jahrzehnten stark gestiegen, wodurch die Planung bzw. Errichtung von Bauwerken immer komplexer wurde. Der Wunsch nach fachlich und digital reibungsloser Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten gewinnt daher zunehmend an Bedeutung. Das Projekt "Digitale Gebäudemodelle für nachhaltige Gebäude" dient zum Kompetenzaufbau und zur Vernetzung der beteiligten ACR-Institute sowie zur Entwicklung neuer innovativer Dienstleistungsmodelle in den Bereichen dynamische Simulation von Gebäuden und Anlagen sowie Nachhaltigkeitsbewertungen im Rahmen von Building Information Modeling.

FEI-Schwerpunkt: Nachhaltiges Bauen
Focus Areas:
•    Digitalisierung, Vernetzung und Konnektivität
•    Integration erneuerbarer Energien in Prozesse und Systeme
•    Ressourcen- und Energieeffizienz
Projektdauer: 18 Monate
Beteiligte Institute: IBO, IBS, GET, AEE-INTEC

Holz-Beton-Fügetechnik

Holz-Beton-Verbunddecken erfreuen sich in jüngster Zeit immer größerer Beliebtheit. Derzeitige HBV-Systeme verwenden zur Schubübertragung meist jedoch Kerven oder Schrauben. An der Holzforschung Austria soll nun im Rahmen eines Kooperationslabors gemeinsam mit der Vereinigung der österreichischen Zementindustrie ein neuer innovativer Ansatz für den Verbund von Holz und Beton entwickelt werden, wobei die Verklebung von Holz und Beton im Mittelpunkt steht. Dadurch erhöht sich der Vorfertigungsgrad von HBV-Systemen und deren Wirtschaftlichkeit wird verbessert.

FEI-Schwerpunkt: Produkte, Prozesse, Werkstoffe
Fokus Area: Funktionelle Materialien
Projektdauer:  28 Monate
Beteiligte Institute: HFA, VÖZ

Innovationen effizient in KMU implementieren (INEKI)

Die Entwicklung von Innovationen und die Umsetzung in der Praxis ist ein wichtiger Treiber für unternehmerischen Erfolg und eine wesentliche Aufgabe für die ACR-Institute. Eine erfolgreiche Implementierung von Innovationen in KMU ist jedoch nicht nur von der wissenschaftlichen Qualität der angebotenen Lösung abhängig sondern sie muss auch methodisch gut begleitet werden. Dieses strategische Projekt versucht, genau diese Kompetenz bei den ACR-Instituten zu stärken, indem ein auf den Kontext der Digitalisierung zugeschnittener Methodenkoffer entwickelt wird. Durch dieses Projekt werden nachhaltig Strukturen aufgebaut, um KMU bei der Implementierung von Innovationen im Rahmen der Digitalisierung zu unterstützen, z.B. bei der Automatisierung der Konstruktion.

FEI-Schwerpunkt: Innovation & Wettbewerbsfähigkeit
Focus Areas:
•    Digitalisierung, Vernetzung und Konnektivität
•    Entwicklungspotenziale für KMU
Projektdauer: 18 Monate
Beteiligte Institute: IWI, KMFA, KOV, ÖIAT, GET, V-Research

Innovative Materialcharakterisierung

Sich ständig verringernde Strukturgrößen stellen für Industrie und Forschung eine der zentralen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts dar. Durch die fortschreitende Miniaturisierung steigt der Bedarf, Materialien noch besser (elektronenmikroskopisch) zu charakterisieren und zu prüfen. Spitzenforschung kann lediglich mit dem entsprechenden Know-how und Equipment betrieben werden, beides wird in diesem strategischen Projekt ideal gebündelt. Auf der Grundlage einer am ZFE neu entwickelten elektronenmikroskopischen Untersuchungsmethode, der „Universal-Pressure“-Rasterelektronenmikroskopie (UPSEM), werden einerseits innovative Fragestellungen der kooperierenden ACR-Institute mit neuen Methoden beantwortet und andererseits neue Anwendungsbereiche in der Material- und Umweltanalytik erschlossen.

FEI-Schwerpunkt: Produkte,  Prozesse und Werkstoffe
Focus Areas: Innovative Charakterisierungsverfahren
Projektdauer: 2 Jahre
Beteiligte ACR-Institute: ZFE, BTI, OFI, ÖGI, V-Research

Fassadenprüfboxen

In den letzten Jahren ist ein steigender Trend zu neuen multifunktionalen Fassadensystemen im Gebäudebereich festzustellen. Um das energetische Verhalten von Gebäudehüllen zusammen mit Elementen zur Energieumwandlung und haustechnischen Komponenten beurteilen zu können, reichen Simulationsberechnungen oder Laborversuche mit Kleinmustern oder Materialproben mit stationären Randbedingungen nicht mehr aus. Realversuche mit tatsächlichen Abmessungen und Witterungsbedingungen sind dazu erforderlich. Beim strategischen Projekt "Fassadenprüfboxen" geht es um den Aufbau einer Freiluft Messeinrichtung, um diese neuen Fassadenkonstruktionen inkl. Gebäudetechnikkomponenten ganzheitlich auf ihre Praxistauglichkeit prüfen zu können. Mit dem In-situ-Fassaden-Prüfstand wird es zukünftig auch für komplexe Fassadenelemente möglich sein, die unterschiedlichen Mechanismen des Energiedurchgangs für Bauteilkombinationen (mit und ohne aktiven Gebäudekomponenten) in Originalgröße unter realen Witterungsbedingungen zu bestimmen, sowie Aspekte hinsichtlich Schallbelastung, Beleuchtung und Raumkomfort zu ermitteln.

FEI Schwerpunkte:
•    Nachhaltiges Bauen
•    Umwelttechnik & erneuerbare Energien
Focus Areas:
•    Integration von erneuerbaren Energien in Prozesse und Systeme
•    Funktionelle Materialien
Projektdauer: 2 Jahre
Beteiligte Institute: AEE-INTEC, IBO

Simulationsdaten flüssiger Schmelzen

Materialanalysen in extremen Temperaturbereichen gehören zu den schwierigsten Aufgabenstellungen im Bereich der Thermophysik, gleichzeitig ermöglichen nur sie eine Abschätzung und Vorhersage des zu erwartenden Materialverhaltens.  Die gewonnenen Daten sind unverzichtbare Basis etwa bei Material- und Legierungsentwicklungen aber auch bei Entwicklungen temperaturbeanspruchter Bauteile wie z. B. Motorkomponenten. Ziel dieses strategischen Projekts ist daher die Messung thermophysikalischer Simulationsparameter einerseits von flüssigen und erstarrenden Schmelzen im Hochtemperaturbereich und anderseits von Kunststoffen und Legierungen im Tieftemperaturbereich. Zentral ist dabei die Anschaffung des Infrastrukturgerätes "Thermoanalysenkombination", das die Bestimmung kalorimetrischer Daten von Materialien in Verbindung mit der thermischen Ausdehnung sowohl bei sehr tiefen (bis zu -180°C), als auch bei sehr hohen Temperaturen (bis zu +1500°C) ermöglicht.

FEI-Schwerpunktfeld: Produkte, Prozesse, Werkstoffe
Focus Area: Innovative Charakterisierungsverfahren
Projektdauer: 1 Jahr
Beteiligte ACR-Institute: ÖGI, OFI

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