ACR Kooperationspreis 2016: Mit Wind und Beton Energie sparen

Über Energieeffizienz und den Einsatz erneuerbarer Energien wird in der Baubranche viel diskutiert. Der Energieverbrauch von Gebäuden soll kleiner werden und der Anteil nachhaltiger Energiequellen größer, da sind sich alle einig. Weniger aber über den besten Weg zu diesem Ziel. Einen Weg zeigen die Firma Aichinger Hoch- und Tiefbau GmbH und das ACR-Institut VÖZ - Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie auf. Gemeinsam haben sie die Technologie der thermischen Bauteilaktivierung (TBA) um die Nutzung von Alternativenergie wie Wind und Sonne erweitert, wodurch sie für alle leistbar wird. Dafür wurden sie nun mit dem ACR Kooperationspreis 2016 ausgezeichnet.

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In einem kleinen Ort in Niederösterreich steht seit Kurzem ein von außen recht unscheinbares Einfamilienhaus, das "Haus H". Es ist in Massivbauweise und in Passivhausqualität errichtet, wie die meisten Häuser heutzutage. Doch im Inneren verbirgt sich eine neue Art der Energieversorgung, denn beim "Haus H" wird die Wärmespeicherfähigkeit von Beton genutzt, um kurzzeitig hohe Energiemengen zwischen zu speichern, die aus der Überschussenergie einer Windkraftanlage stammen. "Das Heizen und Kühlen von Gebäuden mittels Bauteilaktivierung ist schon länger bekannt", sagt Sebastian Spaun, Geschäftsführer Vereinigung österreichische Zementindustrie (VÖZ), "revolutionär ist hier die Speicherung alternativer Überschussenergie aus Wind- und Solarkraft, die bisher einfach sehr teuer war", so Spaun.

Eine nachhaltige und ökologische Energieversorgung von Gebäuden ist nicht nur ein Trend, sondern auch gesetzlich verankert. Heute fragen die Kunden aber immer stärker nach fixfertigen und gleichzeitig kostengünstigen Lösungen für ihre Einfamilienhäuser an, am besten aus einer Hand. "Deshalb haben wir uns zum Ziel gesetzt, in Zukunft schlüsselfertige Massivhäuser inklusive Haustechnik anzubieten", erläutert Helmut Aichinger, Eigentümer der Firma Aichinger Hoch- und Tiefbau GmbH seine Motivation, nach einer geeigneten Technologie zu suchen, die sich mit nachhaltigen Energiequellen kombinieren lässt und gleichzeitig kostengünstig ist. "Mit der Bauteilaktivierung haben wir sie gefunden", so Aichinger. Das "Haus H" ist das gemeinsame Pilotprojekt der Firma Aichinger und der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ), bei dem die Technologie der thermischen Bauteilaktivierung (TBA) mit der Energie aus einem nahe gelegenen Windpark gespeist wird.

Die Schwierigkeit bei Energie aus Wind- oder Solarkraft ist, dass die Menge an Energie, die ins Stromnetz eingespeist werden kann, je nach Windstärke und Sonneneinstrahlung schwankt. Beim "Haus H" wird der aktivierte Bauteil dafür genutzt, um den Überschuss an Energie zwischen zu speichern. Konkret funktioniert das so: Eine Wärmepumpe mit Erdkollektoren versorgt das Haus mit der richtigen Raumtemperatur und stellt das Warmwasser bereit. Überschussenergie von Windstrom liefert die Betriebsenergie für die Wärmepumpe. Ein Steuerungselement gibt die Energiezufuhr nur dann frei, wenn überschüssiger Strom vorhanden ist. Übersteigt das Stromangebot aus Windenergie die Nachfrage, wird diese in den Betonteilen gespeichert und bei Bedarf in Anspruch genommen. Spaun: "Sensationell dabei ist, dass die Heizung sieben Tage und die Warmwasserbereitung drei Tage ohne Energiezufuhr auskommen." Die Kosten sind dabei überschaubar und mit einer konventionellen Anlage vergleichbar. Die ohnehin vorhandene Infrastruktur ist völlig ausreichend, dadurch entstehen keine Zusatzkosten. Zusätzlich können bauteilaktivierte Gebäude mit dem eingebauten Leitungssystem und mit der installierten Haustechnik auch gekühlt werden (Free-Cooling). Bei weiter ansteigenden Hitzetagen ein nicht unerhebliches Plus beim Wohnkomfort.

Basis der Planung des Hauses waren die Nutzung erneuerbarer Energie, Kosten- und Energieeffizienz und vor allem die Nutzerfreundlichkeit. Ein Konsortium von Fachleuten, darunter Harald Kuster, Geschäftsführer FIN Future is Now und einer der Pioniere der Bauteilaktivierung, der Bauphysiker Klaus Kreč, Simon Handler und Roland Prager von WEB Windenergie AG waren ebenfalls an diesem Projekt beteiligt und haben ihre Expertise eingebracht. "Durch die einzigartige Zusammenarbeit von Wissenschaft, Planern, Industrie und Baufachleuten ist das Pilotprojekt gelungen", zeigen sich sowohl Spaun als auch Aichinger mit der Kooperation zufrieden. "Mit dem gewonnenen Know-how sind wir unserem Ziel, nachhaltige Häuser inklusive Haustechnik aus einer Hand anzubieten einen großen Schritt näher", so Aichinger abschließend.

Wie geht es weiter? Das Haus wird nun zwei Jahre lang anhand eines Monitorings beobachtet und alle Ergebnisse werden dokumentiert. Die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt lassen sich in Grundzügen auch auf große Wohn- Gewerbeobjekte übertragen. Entsprechende Schritte wurden bereits in die Wege geleitet.

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www.zement.at 
www.aichinger-bau.com

Fotos

  • ACR Kooperationspreis 2016 Haus H
    Beim "Haus H" wird die Wärmespeicherfähigkeit von Beton genutzt, um kurzzeitig hohe Energiemengen zwischen zu speichern. Fotocredit: Aichinger Hoch- und Tiefbau GmbH
  • Thermische Bauteilaktivierung
    Bei der thermischen Bauteilaktivierung werden die Rohrleitungen in die Decke betoniert. Fotocredit Aichinger Hoch- und Tiefbau GmbH
  • W.E.B.-Windkraftanlage
    Das Haus H wird mit Strom aus einer W.E.B. Windkraftanlage gespeist. Fotocredit: W.E.B.-Windkraftanlage/eric krügl
  • Thermische Bauteilaktivierung Illustration
    Illustration der Thermischen Bauteilaktivierung. Copyright: Z+B

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