ACR Kooperationspreis 2018: HOPE – Pelletieren direkt am Feld

Futtermittel, Einstreu, Brennstoffe: Pellets können jetzt mit nur einer Maschine direkt am Feld aus der jeweils dort anfallenden Biomasse hergestellt werden. Der SCM Produktions- und Vertriebs GmbH ist in Kooperation mit der Holzforschung Austria das Kunststück gelungen, alle Prozessschritte des Pelletierens in einer mobilen Maschine zu vereinen. Dafür wurden sie am 1. Oktober mit dem ACR Kooperationspreis 2018 ausgezeichnet.

„Logistisch ist das natürlich ein Quantensprung“, sagt Christian Freilach. Er ist der CFO der SCM Produktions- und Vertriebs GmbH aus Staasdorf bei Tulln in Niederösterreich; ein kleines Unternehmen, das soeben die weltweit erste serienreife mobile Pelletiermaschine auf den Markt gebracht hat. Wer Pellets herstellen will, kann dies ab sofort direkt mit der vorhandenen Biomasse auf dem eigenen Feld tun und die eigenen Pellets selbst nutzen oder vermarkten. Die Entwicklung ist so erfolgreich, dass SCM bereits einen Kooperations- und Lizenzvertrag mit einem großen chinesischen Maschinenbauunternehmen unterzeichnet hat. Die Holzforschung Austria (HFA) hat maßgeblich zu dem Quantensprung beigetragen: „Wir konnten die Entwicklung durch die Kooperation wesentlich schneller und effektiver voranbringen“, so das Fazit von Christian Freilach.

Äußerlich einem Wohnwagen nicht unähnlich, vereinigt die Maschine alles, was notwendig ist, um direkt am Feld Pellets herzustellen. Die Maschine mäht oder nimmt auf und häckselt jede Art von halmgutartiger Biomasse und macht daraus Pellets für Futtermittel, Einstreu, Dünger, Weiterverarbeitung oder Brennmaterial; je nachdem, was der landwirtschaftliche Betrieb gerade braucht. Als Bindemittel werden die pflanzeneigenen Lignine oder das Eiweiß eingesetzt. „Es ist gelungen, mehrere Prozessschritte in kompakter Form und mit begrenztem Gewicht auf einer Plattform zu vereinen – eine echte Herausforderung“, sagt Wilfried Pichler von der HFA, der das Kooperationsprojekt, „HOPE“ genannt, leitete.

Eine gewisse Eile war bei der Entwicklung geboten, denn die Konkurrenz auf dem Markt wird größer, je wichtiger Energiepflanzen werden: mobile Pelletiertechnologien gehören angesichts dieser Entwicklung zu den Zukunftstechnologien, weil sie die Nutzung von Pflanzen zur Energiegewinnung erst wirtschaftlich machen. Strohpellets etwa haben eine höhere Energiedichte als Strohballen, verbrauchen weniger Lagerfläche und lassen sich leichter transportieren. „In Deutschland sollen 11 Millionen Tonnen Getreidestroh pro Jahr für die Energiegewinnung eingesetzt werden – da ist die Pelletierung auf dem Feld eine Voraussetzung“, schildert Freilach.

Pelletiermaschinen gehören eigentlich zu den Schwergewichten: „Weil sehr große Kräfte auftreten, stellt der Prozess hohe mechanische Anforderungen an Maschinen,“, sagt Pichler. Die Kunst des mobilen Pelletierens besteht darin, diese Kräfte mit einem Rohstoff zu beherrschen, der auf dem Feld nicht in konstanter Qualität vorliegt. „Die Biomasse ist zum Beispiel unterschiedlich feucht, auch wenn sie von einem einzigen Feld stammt“, erklärt Pichler.

Bei einem Verbrauch von 30 Kilowatt pro Tonne kann SCM rund acht Tonnen Pellets in der Stunde produzieren. Die unmittelbare Konkurrenz schafft nur zwei Tonnen, wie Freilach nicht ohne Stolz erzählt. „Die Technologie ist robust und kompakt, dabei wartungsfreundlich“ weist auch Pelletierexperte Pichler auf die Vorzüge hin. „Der Pressspalt lässt sich online öffnen, sodass die Last herausgenommen werden kann. Eine konventionelle Presse würde blockieren – zu viel Aufwand für den Feldbetrieb.“

SCM hatte das Glück, seine Innovation im Rahmen von „HOPE“ – einem Kooperationsprojekt mehrerer Partner – anhand der Energiepflanze Sida austesten zu können und gemeinsam mit der HFA die Pelletiertechnik zu optimieren. „Ohne die Erfahrung der HFA wäre das wohl nicht in dieser Form möglich gewesen“, so Freilach. Sida ist eine besonders ertragreiche und genügsame mehrjährige Energiepflanze, die zudem geeignet ist, ausgelaugte Böden wieder fit zu machen. „Diese Böden sind dann später wieder wertvolles Ackerland“, sagt Freilach. Mobile Pelletierung ermöglicht damit eine auch ökologisch sinnvolle Form der Feldbewirtschaftung.

Das sagt die Jury
Besonders überzeugend waren aus Sicht der Jury „die Qualität und Intensität der Kooperation, der Innovationsgehalt, die gesellschaftliche Relevanz (Nachhaltigkeit) und das hohe Markt- und Exportpotenzial“.

Video  https://youtu.be/O1N-mDcsIXg 

Über den ACR Kooperationspreis
Der ACR Kooperationspreis zeichnet eine erfolgreiche Innovation von einem österreichischen KMU mit einem ACR-Forschungsinstitut aus. Bewertet werden etwa Innovationsgehalt, praktische Anwendbarkeit, wirtschaftlicher Erfolg, Auswirkung auf die Wettbewerbssituation und Beschäftigungseffekte. Die Jury setzt sich aus Vertreterinnen und Vertretern folgender Stellen zusammen: Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort, Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, KMU Forschung Austria, Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG, Rat für Forschung und Technologieentwicklung, Industriellenvereinigung, Wirtschaftskammer Österreich.

Über die ACR
Die ACR – Austrian Cooperative Research ist Dachverband und Interessenvertretung für kooperative Forschungsinstitute. Die ACR-Institute betreiben angewandte Forschung, Entwicklung und Innovation, speziell für KMU. Dazu kommen Prüfen, Inspizieren und Zertifizieren sowie Technologietransfer und Wissenstransfer. Damit trägt die ACR dazu bei, dass Innovation auch in mittelständischen Unternehmen präsent ist und hier Hürden beim Zugang zu Forschung und Entwicklung abgebaut werden. Gleichzeitig sind ACR-Institute wichtige Schnittstellen von Wissenschaft und Großbetrieben (national und international) in Richtung KMU. 2017 erwirtschafteten die ACR-Institute mit 775 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen Gesamtumsatz von 64,4 Millionen Euro. www.acr.ac.at  

Fotos

  • Die Maschine häckselt jede Art von halmgutartiger Biomasse und macht daraus Pellets für Futtermittel, Einstreu, Dünger, Weiterverarbeitung oder Brennmaterial; je nachdem, was der landwirtschaftliche Betrieb gerade braucht. Foto: SCM
  • Bei einem Verbrauch von 30 Kilowatt pro Tonne kann SCM rund acht Tonnen Pellets in der Stunde produzieren. Foto: SCM

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