ACR Start-up Preis powered by aws 2018: Saem – E-Scooter fürs Handgepäck

Alltagsweg, Geschäftsreise oder Städtetrip: Der E-Scooter von Saem ist so leicht und flexibel, dass man ihn überall hin mitnehmen kann. Die Beweglichkeit und Kompaktheit stammen von einem innovativen Gleitlagerkonzept. V-Research stand den beiden Entwicklern und Gründern Markus Hager und Christian Krüse für die Optimierung zur Seite. Am 1. Oktober wurden sie mit dem ACR Start-up Preis powered by aws 2018 ausgezeichnet.

„Der Spaß überwiegt, und wir lernen ständig dazu“, resümiert Christian Krüse nach vielen Monaten Entwicklungszeit und Tüftelei. Gemeinsam mit seinem Studienkollegen Markus Hager hat er einen Elektroroller entwickelt, der nur fünf Kilogramm wiegt und so beweglich ist, dass er sich leicht tragen und ins Handgepäck falten lässt. „Die kompakten Maße bekommt man nur mit innovativen Lenk- und Klappmechanismen hin,“ erläutert Florian Ausserer vom Forschungsunternehmen V-Research, das die Entwicklung eines optimalen Lenkmechanismus mit reibmechanischer Expertise unterstützte.

Die beiden Dornbirner Mechatronik-Absolventen haben ihrem Elektroroller den Namen „Saem“ gegeben. Saem steht für „smart advanced electric mobility”, und der Anspruch der Unternehmensgründer an ihre Innovation ist hoch: Saem soll überall flexible Mobilität ermöglichen, qualitativ hochwertig und entsprechend langlebig sein. „Da kommen wir ins Spiel“, sagt Florian Ausserer. „Wir konnten durch unsere Reibverschleißanalysen Gewissheit darüber herstellen, wie langlebig die neu entwickelten Mechanismen tatsächlich sind.“

Bei Saem werden existierende Maschinenbauelemente so kombiniert, dass die Lenkachse von der Bewegungsachse entkoppelt ist. Damit Saem klein, leicht und mobil bleibt, ersetzten Hager und Krüse die klassischen Kugellager durch Gleitelemente auf Kunststoffpolymerbasis. „Die Fragen, die sich dann natürlich stellen, sind: ‚Funktioniert es so, wie es konzipiert ist und wie lang wird das halten?‘“, so Ausserer.

Reibung und Verschleiß sind die Spezialgebiete von V-Research. Das Vorarlberger Forschungsunternehmen entwickelt Reibmodelle, die den jeweiligen Mechanismus in einem Modellversuch abbilden. „Die Abbildung muss exakt sein. Man braucht viel Know-how, um die Belastungen des Realsystems richtig zu analysieren, darf keine Fehler machen und muss die Ergebnisse aus dem Modellversuch schließlich wieder auf den Realmechanismus zurückführen“, fasst Ausserer die Herausforderungen zusammen.

Reibmodelle liefern schnellere und genauere Ergebnisse als tribologische Versuche in Echtzeit am „lebenden Objekt“. Modelliert und gemessen wird mit einem so genannten Tribometer, das die Belastungen des Realsystems – in diesem Fall die Gleitlager des Saem – in kleinstem Maßstab im Labor nachbildet und testet. Ausserer: „Man kann dann anhand der wie in einem Zeitraffer erzeugten Verschleißbilder mit dem Laserscanningmikroskop sehen, wie zum Beispiel 100.000 Mal lenken auf die Kontaktflächen in einem bestimmten Gleitlager wirkt. So sind verlässliche Material- und Systemvergleiche innerhalb weniger Stunden möglich. Wir wissen beim Saem jetzt, welche Materialkombination die beste Performance über den Lebenszyklus hat.“

Startups wie Saem sind die Ausnahme bei V-Research – und eine sehr willkommene: „Wir konnten zusätzlichen Input in die Produktentwicklung einfließen lassen, weil wir ein gut aufgestelltes Team von Maschinenbauern, Physikern, Materialwissenschaftlern usw. sind, die - interessiert an einer für die Unternehmenspartner guten Lösung - ihr Know-how einbringen“, so Ausserer.

„Das Schöne am eigenen Unternehmen ist, dass man alle Hebel in der Hand hat und das Produkt nach seinen eigenen Vorstellungen und dem eigenen Qualitätsanspruch gestalten kann“, sagt Christian Krüse. Gemeinsam mit Markus Hager hat er noch einen weiten Weg vor sich: „Bis wir tatsächlich in Serie produzieren können, müssen wir noch einiges tun. Aber im Frühjahr 2019 kann man die ersten Scooter kaufen.“

Video https://youtu.be/NgXWccoC2uk

Über den ACR Start-up Preis powered by aws
Der ACR Start-up Preis powered by aws wurde 2018 zum zweiten Mal vergeben und zeichnet ein innovatives Start-up für eine Produkt- oder Prozessinnovation aus, das mit einem ACR-Institut zusammengearbeitet hat. Mit dem Start-up Preis machen aws und ACR nicht nur die individuelle Leistung der Gewinnerinnen und Gewinner sichtbar, sie schaffen auch Aufmerksamkeit für die Innovationskraft in Österreich. Die Jurierung erfolgt durch die aws, bewertet werden Innovationsgehalt, Wachstumspotenzial, Engagement und Maßnahmen zur Sicherung des geistigen Eigentums. Das Start-up erhält von der aws einen Beratungsgutschein in der Höhe von 2.000 Euro sowie eine Teilnahme am Pioneers Festival 2019.

Über die ACR

Die ACR – Austrian Cooperative Research ist Dachverband und Interessenvertretung für kooperative Forschungsinstitute. Die ACR-Institute betreiben angewandte Forschung, Entwicklung und Innovation, speziell für KMU. Dazu kommen Prüfen, Inspizieren und Zertifizieren sowie Technologietransfer und Wissenstransfer. Damit trägt die ACR dazu bei, dass Innovation auch in mittelständischen Unternehmen präsent ist und hier Hürden beim Zugang zu Forschung und Entwicklung abgebaut werden. Gleichzeitig sind ACR-Institute wichtige Schnittstellen von Wissenschaft und Großbetrieben (national und international) in Richtung KMU. 2017 erwirtschafteten die ACR-Institute mit 775 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen Gesamtumsatz von 64,4 Millionen Euro. www.acr.ac.at

Fotos

  • Das Start-up hat einen Scooter entwickelt, der nur fünf Kilogramm wiegt und so beweglich ist, dass er sich leicht tragen und ins Handgepäck falten lässt. Foto: SAEM
  • Die beiden Dornbirner Mechatronik-Absolventen Christian Krüse und Markus Hager haben ihrem Elektroroller den Namen „Saem“ gegeben. Saem steht für „smart advanced electric mobility”. Foto: SAEM
  • Der Versuchsaufbau für SAEM im Detail. Foto: V-Research

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