Romana Ruth: Chemikerin mit Herzblut

Mykotoxine, also Pilzgifte, stellen klimawandelbedingt ein wachsendes Problem im Getreideanbau dar. Als Projektleiterin beim ACR-Institut VG sorgt Romana Ruth mit ihrer Forschungsarbeit dafür, dass unsere Lebensmittel dennoch sicher bleiben.

Wo die meisten von uns an die Grenzen ihrer Chemiekenntnisse stoßen, wird es für Romana Ruth erst richtig interessant. Die 30-jährige Wienerin ist Senior Scientist an der Versuchsanstalt für Getreideverarbeitung und fungiert dort als Expertin für die Hochleistungsflüssigkeitschromatographie (kurz HPLC). Hinter dem kompliziert anmutenden Namen versteckt sich ein chemisches Analyseverfahren, mit dem Inhaltsstoffe in ihre Einzelkomponenten aufgetrennt werden können, um eine zuverlässige Identifizierung und anschließende Quantifizierung zu gewährleisten. In der VG liegt der Fokus dabei vor allem auf der Analyse von Mykotoxinen.

Forscherin im Labormantel

Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich dabei um Giftstoffe, die im schlimmsten Fall für Menschen und Tiere sogar zum Tod führen können. Quelle des Übels ist unter anderem der Pilz Claviceps purpurea, der im Roggenbau schon seit Langem bekannt ist, durch den Klimawandel und verschiedene andere Faktoren, zuletzt aber verstärkt auftritt. Tagtäglich arbeitet Romana Ruth daher an der Frage, wie es sich vermeiden lässt, dass kontaminiertes Getreide in unsere Nahrungskette gelangt. Als Leiterin des FFG-geförderten Projekts „AlkaloEx“ untersucht die Forscherin mit ihrem Team derzeit, wie der Pilz effektiv aus geerntetem Getreide entfernt werden kann. Nachdem die Giftstoffe mitunter in verschiedensten strukturell ähnlichen Varianten auftreten, ist die HPLC dabei für eine zuverlässige Analytik unverzichtbar.

 

„Als besonders reizvoll empfinde ich die analytische Problemlösung.“

Romana Ruth

Ihr ausgeprägtes Interesse für die Lebensmittelchemie entdeckte Romana Ruth während des Bachelorstudiums der Ernährungswissenschaften an der Universität Wien, wo sie derzeit ihren Master absolviert. „Als besonders reizvoll empfinde ich die analytische Problemlösung. Komplexe Fragestellungen zu analysieren, geeignete Strategien zu entwickeln und diese methodisch umzusetzen, stellt einen zentralen Bestandteil meiner Arbeit dar“, spannt die begeisterte Naturwissenschaftlerin den Bogen zu ihrer heutigen Tätigkeit bei der Versuchsanstalt für Getreideverarbeitung, wo sie vor rund drei Jahren andockte und schon bald Projektverantwortung übernehmen durfte. In ihrer Forschungsarbeit schätzt Romana Ruth insbesondere auch den engen Austausch mit Mühlen aus ganz Österreich, der ihr wertvolle Einblicke in die industrielle Praxis gewährt.

Frau bei einem Vortrag auf einem Podium

Ein typischer Arbeitstag besteht für die Forscherin in einer Kombination aus experimenteller Labortätigkeit, Literaturrecherche und Versuchsplanung. Durch den Erhalt eines ACR-BMIMI-Stipendiums konnte sich die Senior Researcherin zuletzt auch verstärkt in ihrer Fachcommunity und relevanten Gremien vernetzen. Damit ist ein wichtiger Grundstein für die weitere wissenschaftliche Laufbahn gelegt, in der sich Romana Ruth weiterhin intensiv der Mykotoxinforschung widmen möchte. „Besonders interessant wäre die Entwicklung einer zuverlässigen Schnelltestmethode für die parallele Bestimmung verschiedener pilzlicher Giftstoffe“, hegt die Forscherin durchaus ambitionierte Pläne.

Einen Ausgleich zum beruflichen Alltag findet die naturverbundene Wienerin beim Krafttraining, Spaziergehen und Radfahren. Und auch privat schlägt die Leidenschaft für hochwertige Lebensmittel und eine gesunde Ernährung durch. Romana Ruth kocht gerne und viel und stets mit frischen Zutaten: „Für mich ist das nicht nur ein Hobby, sondern auch eine Möglichkeit, anderen eine Freude zu bereiten.“