Innovatives Design & digitale Analytik

Weniger wegwerfen: Das kürzlich gestartete Forschungsprojekt „ReFurniture“ unter der Leitung der HFA zeigt, wie Möbel länger genutzt, einfacher repariert und umfassender wiederverwertet werden können – und warum das für Wirtschaft, Umwelt und Konsument*innen gleichermaßen ein Gewinn ist.

Als bedeutender Wirtschaftszweig in Österreich und europaweit steht die Möbelindustrie derzeit massiv unter Zugzwang. Denn Tische, Sessel und Co verursachen in ihrer Herstellung einen erheblichen ökologischen Fußabdruck, landen aber oft schon nach kurzer Zeit auf dem Sperrmüll. Verstärkt wird der Handlungsdruck durch steigende regulatorische Anforderungen wie den Digitalen Produktpass und die Ökodesign-Verordnung. Abhilfe soll nun das kürzlich gestartete Forschungsprojekt „ReFurniture“ schaffen, in dem die Holzforschung Austria gemeinsam mit der Universität für angewandte Kunst Wien, Fraunhofer Austria und Industriepartnern daran arbeitet, Möbel nachhaltiger und langlebiger zu gestalten.

Dass Einrichtungsgegenstände bisher kaum im Kreislauf geführt werden, liegt unter anderem an der hohen Material- und Designvielfalt und oftmals schwer zerlegbaren Konstruktionen. Hinzu kommt der Trend hin zu „Fast Furniture“. Demnach werden Möbel günstig erworben und bei kleinen Schäden oder aus rein ästhetischen Gründen nach kurzer Zeit ersetzt und thermisch verwertet oder deponiert.

Schulsessel

Das müsste nicht sein, wenn es nach den Forscher*innen hinter „ReFurniture“ geht. Am Bespiel von Büro- und Schulmöbeln zeigen sie auf, dass nachhaltiges Design nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll ist. Eine durchdachte Planung und Ausgestaltung kann die Lebensdauer um bis zu 50% erhöhen. Der Materialeinsatz lässt sich so gleichzeitig um bis zu 10% reduzieren, ohne Qualitätseinbußen in Kauf zu nehmen. Möglich wird das auf Basis reversibler Klebesysteme, neuer Verbindungstechniken und digitaler Entscheidungshilfen.

In einem ersten Schritt entwickeln die Forscher*innen ein einheitliches Bewertungsschema für Gebrauchtmöbel, mit dem Kriterien wie Sicherheit, Funktionalität und Ästhetik systematisch beurteilt werden können. Darauf aufbauend werden verschiedene Reparatur- und Aufbereitungsmaßnahmen getestet und hinsichtlich des Arbeits- und Materialaufwands beurteilt. Auch modulare Konstruktionen und neue Materialien für kreislauffähige Designansätze fließen in das Projekt ein.

Digital & nachhaltig

Auf Basis moderner Sensortechnik soll letztlich der Machbarkeitsbeweis für einen digitalen Produktpass gelingen, der relevante Material-, Prozess- und Nutzungsdaten bündelt und volle Transparenz gewährleistet. Gemeinsam mit den beteiligten Industriepartnern werden die entwickelten Lösungen umfassend evaluiert und in einer Roadmap für die Umsetzung entsprechender Geschäftsmodelle verankert.

„ReFurniture“ zeigt: Innovatives Design und digitale Analytik machen nachhaltige Möbel möglich. Für die Umwelt bedeutet das eine deutliche Entlastung, Konsument*innen profitieren von langlebigeren Produkten und für Unternehmen ergeben sich neue Marktpotenziale.