Österreichs Gießereien bewegen sich derzeit in einem schwierigen Spannungsfeld: Bei steigenden Umweltauflagen gilt es, die hohen herrschenden Qualitätsstandards aufrechtzuerhalten, während zunehmend internationale Konkurrenten auf den Markt drängen. Effizienzsteigerung ist damit das Gebot der Stunde und auch ein zentrales Ziel im Projekt „DiGiPro“ des ACR-Instituts ÖGI. Dabei gehen die beteiligten Forscher*innen vor allem der Frage nach, wie digitale Technologien genutzt werden können, um Gussbauteile mit komplexen Innenstrukturen möglichst klima- umweltschonend zu realisieren. „Als Gießer müssen wir beispielsweise bei der Produktion von Verbrennungs- oder auch Elektromotoren unterschiedliche Hohlräume abbilden“, verweist Mirnes Berbić, Projektleiter am ÖGI, auf eine zentrale Schlüsselbranche der heimischen Gießereiindustrie.
Um die gewünschten Aussparungen zu erreichen, kommen sogenannte „Sandkerne“ zum Einsatz. Sie bestehen zu 98% aus Sand und zu ca. 2% aus organischen bzw. anorganischen Bindemitteln und müssen ein komplexes Anforderungsprofil erfüllen. Denn während die Kerne beim Gussprozess hohen thermischen und mechanischen Belastungen ausgesetzt sind, sollen sie gleichzeitig eine gute Entkernbarkeit aufweisen, also nach dem Gießen möglichst rückstandslos zerfallen. Immer öfter finden dabei 3D-Sanddruckverfahren Anwendung, in ihrer Stückzahl sind diese jedoch aktuell noch auf Kleinserien begrenzt. Forschungsbedarf gibt es auch mit Blick auf klimafreundliche Bindemittel. So gehen anorganische Systeme zwar nachweislich mit einer geringeren CO2-Belastung einher, bleiben in ihrem Entkernverhalten aber hinter organischen Alternativen zurück.