Rohstoff mit viel Potenzial

Rinde kann mehr als Bäume schützen: Im europäischen Forschungsprojekt „SuperBark“, an dem auch das ACR-Institut Holzforschung Austria (HFA) beteiligt ist, wird sie zum nachhaltigen Ausgangsmaterial für widerstandsfähige Transportflächen.

Als Nebenprodukt der Holzindustrie fällt Baumrinde in beträchtlichen Mengen an, wird aktuell aber zumeist zur Energiegewinnung verbrannt und keiner anderweitigen Nutzung zugeführt. Dabei handelt es sich um einen äußerst vielseitigen nachwachsenden Rohstoff, der Fichte, Buche und Co verlässlich vor Witterungseinflüssen, mechanischer Beschädigung und Mikroorganismen schützt und damit alle Eigenschaften vereint, die von einer klassischen Holzbeschichtung erwartet werden. Erklärtes Ziel des europäischen Forschungsprojekts „SuperBark“ unter der Leitung des Technical Research Centre of Finland (VTT) ist es daher, Baumrinde erstmals im industriellen Maßstab nutzbar zu machen, wobei der Fokus beim Einsatz auf hochbeanspruchten Böden wie Transportflächen von LKWs, Flugzeugen, Zügen oder Schiffen liegt.

 

Baumrinde neben Holzbauteil

Verantwortlich für die vielen positiven Eigenschaften der Baumrinde sind sogenannte Tannine, eine Untergruppe der Polyphenole, die antioxidativ wirken, für einen natürlichen UV-Schutz sorgen und mit einer hohen Vernetzbarkeit einhergehen. Wie sie als Ausgangsstoff für Beschichtungen genutzt werden können, untersucht derzeit ein Forscher*innen-Team an der HFA. Die Anforderungen, die es für einen Einsatz im Transportsektor zu erfüllen gilt, sind dabei alles andere als gering. So müssen die Beschichtungen extremen mechanischen Belastungen standhalten und hochgradig kratz- und abriebfest sein. Derzeit greift man dafür in der Regel auf eine Kombination aus erdölbasierten Phenolen und Formaldehyd zurück.

Die ersten Projektergebnisse der Holzforschung Austria stimmen zuversichtlich, dass es umweltfreundliche Alternativen gibt. So ist es den Forscher*innen gelungen, zu 100% bio-basierte Beschichtungen aus den in der Rinde enthaltenen Tanninen herzustellen, die herkömmlichen Phenol-Formaldehyd-Harzen in ihren Eigenschaften um nichts nachstehen und sie zum Teil sogar übertreffen. Mit „SuperBark“ wird Baumrinde vom Brennstoff zu einem wertvollen Rohstoff für Beschichtungen im Transportsektor. Das schont Ressourcen, reduziert Abfallströme und ebnet den Weg für eine kreislauforientierte Materialnutzung.