Seit knapp 100 Jahren erleichtern Kunststoffe unser Leben. Wir schätzen die Vielfalt an Farben und Formen, das breite Einsatzspektrum und die geringen Produktionskosten. Gleichzeitig häufen sich jedoch wissenschaftliche Belege, wonach sich die erdölbasierten Erzeugnisse und auch biobasierte Alternativen in der Umwelt nur sehr zögerlich abbauen und über die Luft sowie die Nahrung in den menschlichen Körper gelangen. Mögliche gesundheitliche Folgen reichen bis hin zu neurologischen Störungen und Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson.
Sieht man sich den Kunststoffverbrauch nach Sektoren an, nimmt die Baubranche nach der Verpackungsindustrie den zweiten Platz ein. Über 3 Millionen Tonnen Kunststoffe wurden 2023 etwa allein in Deutschland verbaut, wobei hier bestimmte Produktgruppen wie Farben, Lacke oder Fasern noch gar nicht berücksichtigt sind. Während kunststoffbasierte Wasserrohre oder Rasengittersteine bewusst verlegt werden, gelangen andere Kunststoffe durch Abwitterung oft unbemerkt in die Umwelt. Über das Ausmaß ist bisher nur wenig bekannt.
Klarheit soll das Projekt „Wegweiser kunststofffreies Bauen – Analyse der Gefahren und Risiken von Kunststoffen über den gesamten Lebenszyklus von Bauprodukten“ schaffen, an dem unter der Leitung der Hochschule München auch das ACR-Institut IBO beteiligt ist. Erste Forschungsergebnisse geben durchaus Grund zur Sorge. So werden Kunststoffe derzeit mehr und vielseitiger eingesetzt als erwartet, wobei die Dokumentation vielfach zu wünschen übrig lässt. Dabei ist das Wissen um die Art und Zusammensetzung der eingesetzten Kunststoffe gerade im Sinn ihrer Kreislaufführung essenziell.