Klimaschutz als Geschäftsmodell für KMU

Die Bindung von CO2 ist nicht nur eine essenzielle Maßnahme im Kampf gegen den Klimawandel, sie birgt auch großes wirtschaftliches Potenzial, das es gerade in KMU erst zu heben gilt. Wie das mit den richtigen Geschäftsmodellen gelingen kann, wird im Projekt „C2B – Carbon to Business“ von einem interdisziplinären Konsortium unter der Leitung des ACR-Instituts IWI erstmals wissenschaftlich untersucht.

Mit der Klimaneutralität bis 2050 hat sich die Europäische Union ein ambitioniertes Ziel gesetzt. So bergen erneuerbare Energiequellen zwar erhebliches Potenzial, wenn es um die Dekarbonisierung unserer Wirtschaft geht, ganz vermeiden lassen sich Emissionen bis dahin aber nicht. Umso entscheidender ist es, CO2 aus der Atmosphäre zu binden und zu entfernen. Dafür gibt es eine Reihe technologischer Ansätze, durch das komplexe technologische und wirtschaftliche Umfeld sind sie für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) derzeit jedoch kaum zugänglich.

Wie die CO2-Bindung auch für sie künftig gewinnbringend gelingen kann, wird im Projekt „C2B – Carbon to Business“ durch ein interdisziplinäres Konsortium der ACR-Institute IWI, AEE INTEC, GET, HFA, IBO, ÖGI und V-Research daher erstmals systematisch untersucht. „Uns geht es darum, zu zeigen, dass CO2 nicht nur ein Problem darstellt, das Kosten verursacht, sondern dass Kohlenstoff nach seiner Abscheidung eine wirtschaftlich attraktive Ressource ist, die in zahlreichen Produkten verwertet werden kann“, betont Projektleiter Alexander Kaufmann.

Zwei Facharbeiter im Betonlabor

Wirtschaftspolitische Maßnahmen der EU zur Reduktion von CO2-Emissionen gehen bereits in das Jahr 2005 zurück. Damals wurde für energieintensive Branchen der Handel mit Zertifikaten eingeführt, die zum Emissionsausstoß berechtigen. Mit dem Carbon Removal Certification Framework (CRCF) hat die EU im Jahr 2024 schließlich einen europaweit einheitlichen Rahmen für freiwillige Maßnahmen zur Kohlenstoffbindung und -entfernung geschaffen. Nach geltenden Standards geprüft, können die als „Carbon Offset Credits“ bezeichneten Zertifikate an Unternehmen oder Privatpersonen verkauft werden, die auf diesem Weg ihre CO2-Emissionen kompensieren möchten. Werden aus dem gebundenen Kohlenstoff neue Produkte hergestellt, ergeben sich daraus zusätzliche Erlöspotenziale.

Die Vielfalt an möglichen Geschäftsmodellen, die sich aus dem neuen Regelwerk ergeben, ist für KMU allerdings Fluch und Segen zugleich. Während der Kreativität kaum Grenzen gesetzt sind, ist nicht alles wirtschaftlich realisierbar, was zunächst vielversprechend klingen mag. Abhilfe soll eine neuartige Methode zur Formulierung geeigneter Geschäftsmodelle schaffen, die im Projekt „C2B“ entwickelt wird. In einem ersten Schritt liegt es an den Forscher*innen, nicht weniger als eine wissenschaftliche Lücke zu schließen, fehlt es aktuell doch an einem belastbaren allgemeinen Standard, um die Aufnahme und Speicherung von CO2 zu berechnen. Bei der anschließenden Analyse der technischen, wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen kommt ein KI-Assistenzsystem zur Anwendung, um die großen Datenmengen in absehbarer Zeit zu bewältigen.

„Uns geht es darum, zu zeigen, dass CO2 nicht nur ein Problem darstellt, das Kosten verursacht, sondern dass Kohlenstoff nach seiner Abscheidung eine wirtschaftlich attraktive Ressource ist, die in zahlreichen Produkten verwertet werden kann.“

Alexander Kaufmann, Projektleiter am IWI
Mann mit Helm mit Blick auf einen Computerbildschirm

Über sechs Use Cases stellen Alexander Kaufmann und sein Team sicher, dass die neue Methodik in verschiedensten Bereichen Anwendung finden kann. Im Fokus stehen dabei etwa der Bausektor (Bauprodukte aus Massivholz und biobasierte Dämmstoffe), die Metallindustrie (Weiterverwendung von Schlacke), die Landwirtschaft (Pflanzenkohle zur CO2-Speicherung und Torfalternativen aus Reststoffen) sowie die Nahrungsmittelbranche (Pflanzproteine aus Lebensmittelresten). Über eine frei zugängliche Web-Anwendung werden Unternehmen ihre Projektideen schon bald rasch und niederschwellig auf ihre Eignung prüfen können. Fällt der erste Check positiv aus, arbeiten die beteiligten Institute bei Interesse ein detailliertes Geschäftsmodell inklusive CO2-Bilanzierung und Wirtschaftlichkeitsbewertung aus.

„C2B“ unterstützt KMU bei der Orientierung in einem vielversprechenden, aber ebenso komplexen Marktumfeld und sorgt damit für minimales Risiko und maximale Planungssicherheit. Die Wirkung, die sich daraus ergibt, geht weit über die Unternehmensebene hinaus, zählt der voranschreitende Klimawandel doch zu den größten Bedrohungen unserer Zeit.