Julia Krickl: Weitblick und große Ambitionen

Als Leiterin der Research & Innovation Abteilung am ACR-Institut ÖIAT beschäftigt sich Julia Krickl mit Sicherheitsfragen im digitalen Raum. Während die Herausforderungen nicht kleiner werden, ist die Forscherin überzeugt, dass der Schlüssel zum Erfolg in der interdisziplinären und internationalen Zusammenarbeit liegt.

In einer Zeit, in der sich unser Alltag immer öfter digital abspielt und Aufgaben zunehmend an Maschinen übertragen werden, braucht es Menschen wie Julia Krickl mehr denn je. Die 33-jährige Wienerin leitet am Österreichischen Institut für Angewandte Telekommunikation (ÖIAT) seit Anfang 2025 die Research & Innovation Abteilung und beschäftigt sich intensiv mit aufstrebenden Technologien, ihren gesellschaftlichen Auswirkungen und damit verbundenen ethischen Fragestellungen. Angesichts täglich neuer KI-Anwendungen mag es kaum verwundern, dass die Themenflut für die Forscherin und ihre Kolleg*innen derzeit nicht abreißt.

Portraitfoto

Der Traum von einer internationalen Karriere führte die Sozialwissenschaftlerin nach der Schule zunächst nach Münster und ins niederländische Twente zum Studium der European Public Administration. Eine Stelle bei der Internationalen Atomenergie-Organisation IAEA zog Krickl anschließend dann doch wieder zurück in ihre Heimatstadt, wo sie nach einer Stelle beim United Nations Office 2020 schließlich beim ÖIAT andockte und seither für die angewandte Forschung brennt. „Ich sehe, wie viel Impact und praktische Wirkung meine Arbeit hat, das ist sehr erfüllend“, betont die Researcherin, die in ihrer Rolle voll und ganz aufzugehen scheint.

Den Einstieg in die digitale Welt fand Krickl im Rahmen der Datenanalyse für ihre Masterarbeit, in der sie sich mit Femizidforschung beschäftigte. Heute kommt ihr die damals erworbene sozialwissenschaftliche Expertise vor allem in interdisziplinären Forschungsprojekten im KI- und Cybercrimebereich zugute, wo sie viel mit Techniker*innen zusammenarbeitet. Durch den unterschiedlichen Zugang können beide Seiten voneinander lernen und Problemstellungen ganzheitlich bearbeiten. „Ich sehe diese sozialwissenschaftliche Brille gerade bei sicherheitsrelevanten Projekten als großen Benefit“, hebt Krickl den Mehrwert disziplinenübergreifender Forschung hervor.

„Ich sehe, wie viel Impact und praktische Wirkung meine Arbeit hat, das ist sehr erfüllend.“

Julia Krickl

Derzeit beschäftigt sich die Researcherin vor allem mit der automatisierten Erkennung von Desinformation und Internetkriminalität, KI-ethischen Fragestellungen und der Bekämpfung von bildbasierter sexualisierter Gewalt. Dabei ist es der leidenschaftlichen Forscherin stets ein großes Anliegen, neue Erkenntnisse verständlich aufzubereiten und für die Allgemeinheit zugänglich zu machen. „Nur so können sie ihre Wirkkraft in vollem Umfang entfalten“, ist Krickl überzeugt. Entscheidend sei dafür auch der Austausch mit internationalen Expert*innen, den die Forscherin – ermöglicht durch ein ACR-BMIMI-Stipendium – gerade im Vorjahr stark forciert hat. Einladungen zum UNOCD Experts Meeting on Prevention of Organized Fraud, zu einer OSCE-Konferenz rund um Sicherheitsaspekte im Zusammenhang mit aufstrebenden Technologien oder beim EU Mutual Learning Programme der Europäischen Kommission zeigen, dass Krickls Expertise inzwischen auch international sehr gefragt ist.

Forscherin bei einem Vortrag auf einem Podium - von hinten
Forscherin sprechend vor Rednerpult

Mit Blick in die Zukunft sagt die Researcherin ihrem Forschungsfeld eine äußerst dynamische Entwicklung voraus. Wo wir im KI-Bereich in 10 Jahren stehen, ließe sich heute kaum abschätzen. Entscheidend sei vor allem, ob große Plattformen ihren Einfluss weiter halten können und sich Europa mit seinem Rechtsrahmen als Gegenpol behaupten kann. Persönlich möchte Krickl, die ihre Freizeit am liebsten lesend in der Natur, im Museum oder hinter der Töpferscheibe verbringt, ihre Expertise in den Bereichen Cybercrime, KI und Sicherheit in den nächsten Jahren weiter ausbauen und zunehmend auch in Publikationen einfließen lassen.

„Ich will dazu beitragen, den digitalen Raum sicherer zu gestalten und einen möglichst barrierearmen Zugang für alle zu ermöglichen“, bringt die Forscherin ihre weitreichenden Ambitionen auf den Punkt. Angesichts täglich neuer Herausforderungen ist das zweifellos kein leichtes Unterfangen. Fest steht aber auch: Wenn jemand hier Großes bewirken kann, dann sind es Forscher*innen mit Leidenschaft und Weitblick. Julia Krickl geht mit bestem Beispiel voran.