Kreislaufführung im Gesundheitswesen

Gerade in Industrieländern sind Einweg-Produkte und lineare Lieferketten im Gesundheitswesen weit verbreitet, was hohe wirtschaftliche und ökologische Kosten zur Folge hat. Eine am OFI entwickelte PCR-Methode soll es zukünftig ermöglichen, Medizinprodukte ohne Sicherheitsbedenken und Tierversuche im Kreislauf zu führen.

Von einfachen Pflastern bis hin zu hochrisikobehafteten Implantaten spielen Medizinprodukte eine tragende Rolle im Gesundheitswesen. Die Umweltauswirkungen, die durch ihre Herstellung, Nutzung und Entsorgung entstehen, sind allerdings erst seit kurzem Gegenstand intensiver Diskussionen. So steigt der Druck auf die Hersteller, ihre Produkte über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu bewerten und ein ökologisch verträgliches Abfallmanagement einzuführen. Damit gewinnen Ansätze wie Recycling, Wiederverwendung, Reparatur und Aufbereitung an Bedeutung.

Der Aufholbedarf ist jedenfalls groß, denn gerade in Ländern mit hohem Einkommen setzen Gesundheitssysteme vielfach auf Einweg-Produkte und lineare Lieferketten. Das führt nicht nur zu steigenden Kosten, sondern auch zu großen Abfallmengen mit negativen Folgen für die Umwelt. Lieferketten werden zudem anfälliger für Störungen und Schwankungen in der Nachfrage. Abhilfe kann die Kreislaufführung von Medizinprodukten schaffen, sie macht aber hochsensible Analysemethoden erforderlich, um Gesundheitsrisiken auszuschließen.

Pflaster und Wundverbände vor hellblauem Hintergrund

Hier setzt das Dissertationsprojekt „Re-mark-able“ des Österreichischen Forschungsinstituts für Chemie und Technik (OFI) an. Trotz fortschrittlicher Analysemethoden lassen sich in Medizinprodukten enthaltene Substanzen nämlich oftmals nicht eindeutig identifizieren. Um auszuschließen, dass von potenziell enthaltenen kritischen Stoffen ein Gesundheitsrisiko ausgeht, kommen dann nicht selten Tierversuche zum Einsatz. Das müsste nicht sein, wenn es nach Gabriele Ettenberger-Bornberg und Sanja Savić, Expertinnen für Medizinprodukte am OFI, geht.

Im Projekt „Re-mark-able“ entwickeln die Forscherinnen eine neuartige PCR-basierte Analysemethode, die zeigen soll, ob recycelte Medizinprodukte mit dem menschlichen Stoffwechsel verträglich sind. Dabei können entzündungsfördernde oder erbgutverändernde Substanzen verlässlich ausgeschlossen werden, ohne dass Tiere zu Schaden kommen. „Re-mark-able“ ebnet den Weg für eine sichere und ethisch unbedenkliche Kreislaufführung von Medizinprodukten, von der die Umwelt ebenso profitiert wie das Gesundheitssystem.