Mit dem Gebrauch von Menstruationsprodukten sind viele Frauen Monat für Monat einem erheblichen Gesundheitsrisiko ausgesetzt. Denn Binden, Tampons und Co unterliegen keinen einheitlichen Sicherheitsstandards. Lange Zeit als Tabuthema abgetan, ist die Problematik zumindest in Forschungskreisen zuletzt vermehrt in den Fokus der Aufmerksamkeit geraten. Bereits 2022 hat etwa Elisabeth Mertl, Expertin für Medizinprodukte am OFI – Österreichisches Forschungsinstitut für Chemie und Technik in Zusammenarbeit mit den ACR-Partnerinstituten LVA und IWI das Projekt „LEIFS“ (Projektakronym für „Let it flow safely“) ins Leben gerufen, um ein standardisierbares Methodenset für die Sicherheitsbewertung von Menstruationsartikeln zu entwickeln. Gemeinsam mit ähnlichen Aktivtäten anderer Forschungsteams war der Grundstein für eine weitreichende Standardisierungsinitiative gelegt, die zur Gründung des Komitees ISO TC 338 führte. Eine Gruppe von engagierten Expert*innen aus 58 Nationen arbeitet seither intensiv an der längst überfälligen Norm.
Frauengesundheit im Fokus
Mit dem Projekt „LEIFS“ hat Elisabeth Mertl, Forscherin am ACR-Institut OFI, die Entwicklung internationaler Sicherheitsstandards für Menstruationsprodukte angestoßen. Finanzielle Unterstützung kommt dabei nun auch von der Gates Foundation.
„Obwohl die Verwendung von Menstruationsprodukten weltweit so viele Menschen betrifft, ist die Periode nach wie vor ein Tabuthema. Durch die Sichtbarmachung und Thematisierung der Problematik im Projekt LEIFS und im ISO-Komitee TC 338 wurde uns der immense Handlungsbedarf bewusst“, betont Mertl. Rückenwind erhalten die Wissenschaftler*innen unter anderem von der Gates Foundation, die kürzlich ihre finanzielle Unterstützung zugesichert hat. Der Forschungsbedarf ist jedenfalls groß. So zählt etwa der Umgang mit möglichen Verunreinigungen zu einer der zentralen Schlüsselfragen bei der Risikobewertung.
In einem ersten Schritt müssen die Forscher*innen relevante Schadstoffe identifizieren. Schließlich zielt die Sicherheitsbewertung nicht nur auf bekannte Inhaltsstoffe ab, sondern auch auf Verunreinigungen und andere unabsichtlich zugesetzte Substanzen (englisch „NIAS“ für „Non-Intentionally Added Substances). Um eine entsprechende Screening-Liste erstellen zu können, werden derzeit rund 200 Menstruationsprodukte aus aller Welt unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse fließen direkt in die Arbeit der ISO-Gruppe ein. „Regularien gibt es zu unterschiedlichsten Produkten, zur Sicherheitsbewertung von Periodenprodukten findet man keine internationalen und umfassenden Normen. Durch die Unterstützung von Gates Foundation rücken wir dem Ziel näher, hier Standards auf den Weg zu bringen und damit Gesundheitsrisiken für Frauen zu minimieren“, unterstreicht Udo Pappler, Geschäftsführer am OFI, die wichtige Arbeit des Komitees.
Weiterführende Links
- OFI - Österreichisches Forschungsinstitut für Chemie und Technik
- Über das Projekt "LEIFS"
- ACR Innovationspreis 2024